Mallorca ist viel mehr als Strand, Sangria und die immer gleiche Liege mit Handtuchbesetzung um sieben Uhr morgens. Ich liebe die Insel, weil sie so still, unberührt und überraschend ursprünglich sein kann. Wer Mallorca mit Muße entdecken möchte, findet zwischen alten Bergdörfern, duftenden Orangenhainen und dramatischen Küstenlandschaften zahlreiche Orte, um die Zeit zu vergessen. Für mich sind das die schönsten Mallorca Geheimtipps: kleine Häfen, an denen die Fischer ihrer Arbeit nachgehen, tosende Naturgewalten und Jahrhunderte alte Gassen im Sonnenuntergang – verbunden mit einem entspannten Aufenthalt in einer stilvollen Finca.

Warum eine Finca der perfekte Ausgangspunkt ist
Ich gestehe: Mit 60 habe ich wenig Interesse daran, meinen Tag nach den Büfettzeiten im Hotel zu planen. Viel lieber wohne ich dort, wo der Tag mit dem ersten Kaffee in der Morgensonne auf der Terrasse beginnt. Und wo ich ungestört am Tisch sitze und esse, wenn ich Hunger habe.
Eine Finca auf Mallorca bietet den idealen Ausgangspunkt für einen Urlaub im persönlichen Rhythmus. Man genießt Ruhe, Privatsphäre und oft einen eigenen Pool – und ist mittendrin im mediterranen Leben. Von einer Finca aus lassen sich die schönsten Seiten der Insel im eigenen Tempo und mit viel Muse erkunden.
Mein Rat: Nicht zu viel in einen Tag packen. Ein Ort, eine Bucht, ein gutes Mittagessen – und dazwischen genügend Zeit, um die Gischt einzuatmen, Muscheln zu sammeln und zuzuschauen, wie die Sonne versinkt.
Die beste Zeit für eine Reise nach Mallorca
Neben einer schönen Unterkunft ist die Reisezeit in meinen Augen ausschlaggebend dafür, ob der Urlaub auf der Insel zum Erfolg wird. Die gute Nachricht zuerst: Mallorca ist ein wunderschönes Ganzjahresziel. Doch als Best Ager meide ich den Sommer. Denn ich liebe es, den ganzen Tag draußen zu verbringen. Im Frühling, im Herbst und im Winter ist dies problemlos möglich. Selbst Anfang Januar klettert das Thermometer tagsüber auf bis zu 20 Grad. Da kann man die Sonne genießen, anstatt sich im Kühlen zu verstecken. Die Strände sind verlassen, in Palma bummelt man gemütlich über die Rambla und in den Restaurants wird man herzlich begrüßt.

Fast menschenleere Rambla in Palma
Meine 10 Geheimtipps
1. Die Kathedrale von Palma
Fangen wir doch gleich mit der Hauptstadt Palma an, genauer gesagt mit der Kathedrale La Seu. Das gotische Wahrzeichen erhebt sich direkt über dem Parc de la Mar und prägt das Bild der Stadt wie kaum ein anderes Gebäude. Besonders eindrucksvoll wirkt die Kathedrale am frühen Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang, wenn der helle Sandstein warm leuchtet und sich die Silhouette im Wasser spiegelt. La Seu ist weit mehr als ein kurzer Fotostopp. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt abseits des Trubels viele überraschende Schätze. Für mich ist die Kathedrale eines der Highlights auf Mallorca.

Weihnachtlich geschmückte Kathedrale La Seu in Palma de Mallorca, Innenraum.
Vom Fort Sant Carles aus überblicke ich gewissermaßen Palma von oben. Hier wird sichtbar, wie nah historische Gassen, der Hafen und die lange Küstenlinie beieinander liegen. Wer anschließend zur Playa de Palma weiterfährt, erlebt eine ganz andere Seite von Palma de Mallorca.
2. Valldemossa: Auf den Spuren von George Sand
In dem hübschen Bergdorf überwinterte die französische Schriftstellerin George Sand im Winter 1838/39 gemeinsam mit dem Komponisten Frédéric Chopin. Die beiden lebten in der Kartause von Valldemossa, wo heute unter anderem die damaligen Wohnräume und ein Pleyel-Klavier besichtigt werden können.
George Sand verarbeitete ihren Aufenthalt später in dem Buch Ein Winter auf Mallorca. Ihr Reisebericht ist nicht gerade eine Liebeserklärung an das mallorquinische Wetter – offenbar war der Winter damals deutlich weniger sonnig, als die beiden gehofft hatten. Mit geht es ähnlich. Ich komme am Silvestertag nach Valldemossa mit der Absicht, mir einen Schal gegen den kalten Wind zu kaufen. Leider habe ich nichts Passendes gefunden und mir eine Erkältung eingehandelt.
Valldemossa selbst ist längst kein Geheimtipp mehr, aber ein Besuch lohnt sich unbedingt. Besonders schön ist ein früher Spaziergang durch die gepflasterten Gassen, bevor die Tagesausflügler eintreffen. Oder eben ein Besuch im Winter.

In den Gassen von Valldemossa … Foto: Lena Ziehres
3. Sóller und Port de Sóller
In einem grünen Tal der Serra de Tramuntana liegt Sóller, umgeben von Orangen- und Zitronenhainen. Der Ort versprüht mallorquinischen Charme. Ein besonderes Erlebnis und ein beliebtes Fotomotiv ist die historische Holzstraßenbahn, die Sóller mit dem Hafen verbindet.

Holzstraßenbahn in Soller
In Port de Sóller angekommen, öffnet sich der Blick auf eine geschützte, halbmondförmige Bucht mit Strand, Promenade und kleinen Fischerbooten. Hier kann man einen späten Lunch mit Meerblick einplanen oder den Tag bei einem Spaziergang entlang des Wassers ausklingen lassen. Auch als Ausgangspunkt für eine Bootsfahrt nach Sa Calobra ist der Hafen ideal: Von der Küste aus zeigen sich die steilen Felsen und versteckten Einschnitte der Nordwestküste besonders eindrucksvoll.
4. Sa Calobra
Sa Calobra liegt abgeschieden an einer dramatischen Küste im Norden Mallorcas und ist schon wegen der Anfahrt ein Erlebnis. Die kurvenreiche Bergstraße führt durch die Serra de Tramuntana, vorbei an schroffen Felswänden, tiefen Tälern und spektakulären Aussichtspunkten. Wer nicht selbst fahren möchte, kann Sa Calobra auch per Boot von Port de Sóller erreichen – eine entspannte Alternative, bei der die zerklüftete Küstenlandschaft vom Wasser aus besonders gut zur Geltung kommt.

Sa Calobra

Bild mit Seltenheitswert: Alleine mit der Familie am Meer am Touristen-Hotspot Torrent de Pareis.
Der eigentliche Höhepunkt wartet hinter einem kurzen Fußweg durch Felstunnel: die Schlucht Torrent de Pareis. Zwischen hohen Kalksteinwänden mündet die Schlucht ins Meer und schafft eine Kulisse, die eher an eine Naturkathedrale als an einen gewöhnlichen Strand erinnert. Ein kurzer Spaziergang, begleitet von andächtigem Staunen angesichts der Szenerie, vielleicht ein Bad – je nach Jahreszeit – das ist mein persönliches Programm im Torrent de Pareis. Eine Tour tief in die Schlucht hinein ist dagegen anspruchsvoll und sollte nur mit passender Erfahrung, Ausrüstung und sicheren Wetterbedingungen geplant werden.
5. Cap Formentor
Das Cap Formentor ist einer der Orte, an denen Mallorca besonders wild und weit wirkt. Von Alcúdia aus führt die Route hinauf auf die Formentor-Halbinsel, vorbei an steilen Klippen, duftenden Kiefern und Aussichtspunkten mit Blick auf das offene Mittelmeer. Gerade morgens oder später am Nachmittag ist die Stimmung am schönsten, wenn weniger Ausflügler unterwegs sind und das Licht die Felsen in Gold- und Ockertöne taucht.
Am Ende wartet der legendäre Leuchtturm an der Spitze der Halbinsel – ein markanter Orientierungspunkt über den steil abfallenden Felsen. Doch auch auf der Fahrt dorthin bieten sich Stopps an, um den Ausblick auf die spektakuläre Küste zu bewundern. Der berühmteste dieser Aussichtspunkte ist wohl der Mirador del Mal Pas. Im Sommer ist die Zufahrt mit Privat-PKWs eingeschränkt.

Die Serpentinenstraße zum Leuchtturm Cap Formentor ist im Winter frei befahrbar.
Am Cap Formentor zeigt sich der Norden von Mallorca von seiner rauen Seite und ist ein starker Kontrast zu den flachen Sandstränden im Süden der Insel.
6. Malerische Buchten der Cala Mondrago
Im Südosten Mallorcas liegt die Cala Mondragó, ein Küstenabschnitt, der mit hellem Sand, klarem türkisfarbenem Wasser und pinienbewachsenen Felsen begeistert. Anders als an manchen großen Ferienstränden steht hier die Natur im Mittelpunkt. Versteckte Buchten mit ruhigen Badeplätzen liegen in dem Naturschutzgebiet, das man sich auf idyllischen Wegen erschließen kann. Ein Spaziergang bringt mich zu ungezählten Fotospots – einer schöner als der andere – und ich fange wirklich an zu glauben: Mallorca ist ein Paradies.

Wandern im Parc Natural Mondragó.

Cala Mondrago
Ein Picknick im Schatten der Bäume, ein kurzer Küstenweg und ein Sprung ins glasklare Wasser machen diesen Ort zu einem der schönsten Naturerlebnisse im Südosten – und zu meinem ganz persönlichen Geheimtip.
7. Die schönsten Strände der Insel – wild und einsam
Für einen entspannten Tag am Strand gehört Es Trenc zu den Klassikern Mallorcas. Der lange, helle Sandstrand erstreckt sich über rund vier Kilometer zwischen Ses Covetes und Colonia de Sant Jordi und erinnert mit seinem weißen Sand und dem klaren Wasser beinahe an eine karibische Küste.

Strand Es Trenc

Cala Mesquida
Die Cala Mesquida im Nordosten ist für mich ein spannender Gegenpol zum ruhigen Strand Es Trenc im Süden. An der Cala Mesquida tobt sich die unbändige Kraft der Gezeiten aus. Den heran donnernden Wellen, die fotogen immer an der gleichen Stelle brechen und Gischt zerstäuben, könnte ich stundenlang zuschauen – und habe das auch getan. Doch auch am Strand von Es Trenc, wo ich mitten im Winter mit der ganzen Familie war, haben wir die Zeit vergessen. Irgendwie haben wir alle die gleiche Schwäche für schöne Orte mit dem gewissen Etwas. Wir stromern herum, genießen die Freiheit, beschäftigen uns mit dem Sand, mit Steinen und Muscheln oder tun gar nichts. Das sind die schönsten Momente eines Urlaubs, die sich ewig ausdehnen dürften – und auf Mallorca habe ich viele dieser Momente erlebt.
8. Wanderungen auf Mallorca: die Serra de Tramuntana
Die Serra de Tramuntana gehört zum UNESCO-Welterbe und ist eine der eindrucksvollsten Kulturlandschaften Mallorcas. Neben bekannten Orten wie Sóller, Valldemossa und Fornalutx gibt es zahlreiche kleine Straßen, Aussichtspunkte und Dörfer, in denen sich die Insel besonders ursprünglich zeigt.
Mein Tipp für Best Ager: Lieber eine kurze Wanderung mit schönen Ausblicken wählen als eine sportliche Heldentat. Feste Schuhe, ausreichend Wasser und ein langsames Tempo machen den Unterschied.
Besonders schön sind Fahrten durch das Tramuntana-Gebirge im Frühjahr und Herbst. Die Temperaturen sind angenehmer und die Straßen sind weniger belebt als im Hochsommer.

Serra de Tramuntana
9. Artà und Capdepera: Kultur, Kunsthandwerk und Ausblick
Im Nordosten der Insel liegen Artà und Capdepera – Orte, die ich für ihre Mischung aus Geschichte und Kunsthandwerk schätze. Über Artà thront die Festungsanlage Santuari de Sant Salvador. Der Aufstieg über die breite Treppe ist überschaubar, und oben wartet ein herrlicher Blick über die Dächer und die Landschaft.
Das Pendant im Nachbarort Capdepera ist das Castell de Capdepera. Wer durch die schmalen Gassen oben angelangt ist, darf sich ebenfalls über einen schönen Ausblick auf die Ebene freuen.

Castell de Capdepera

Capdepera
Rund um die beiden Orte gibt es außerdem kleine Galerien, Keramikwerkstätten und Cafés, in denen man wunderbar eine längere Pause einlegen kann. Genau das ist für mich eine gelungene Mallorca-Reise: nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern auch einmal bleiben, beobachten und mit den Menschen ins Gespräch kommen.
10. Banyalbufar: Weinberge über dem Meer
Banyalbufar liegt an der Westküste Mallorcas und klebt geradezu malerisch an den Hängen der Tramuntana. Die historischen Terrassenfelder ziehen sich in Stufen bis hinunter zum Meer. Früher wurde hier vor allem Malvasia-Wein angebaut – heute ist der Ort ein wunderbarer Platz für alle, die Landschaft, Geschichte und ein wenig Ruhe schätzen.
Ich schlendere am liebsten ohne festes Ziel durch die schmalen Gassen. Irgendwo blüht eine Bougainvillea über einer Natursteinmauer, eine Katze beobachtet mich gelassen und hinter der nächsten Kurve öffnet sich der Blick auf das tiefblaue Mittelmeer.
Unterhalb des Ortes liegt die kleine Cala Banyalbufar. Der Weg hinunter ist stellenweise steil, deshalb empfehle ich festes Schuhwerk. Für ein erfrischendes Bad ist die Bucht wunderbar – für den Rückweg sollte man allerdings noch etwas Kraft aufsparen.
Extratip: die kleinen Märkte im Inselinneren
Einer meiner liebsten Mallorca Geheimtipps ist kein einzelner Ort, sondern eine Gewohnheit: Ich besuche gern die Wochenmärkte kleinerer Gemeinden.
Auf den Märkten von Dörfern wie Sineu, Santa Maria del Camí oder Santanyí findet man neben Obst, Gemüse und Gewürzen auch Keramik, Stoffe, Lederwaren und regionale Spezialitäten. In der kalten Jahreszeit liebe ich es, den Vitamin-C-Speicher mit einem großen Becher frisch gepressten Orangensaft aufzufüllen – direkt beim Bummel über den Markt genossen. Herrlich!
Meist wandern als Proviant neben Zutaten für die obligatorischen Tapas wie Oliven und Käse auch noch Orangen in meine Tasche. So süß wie hier schmecken sie nirgends!
Mein perfekter Finca-Tag auf Mallorca
So sieht ein idealer Tag für mich aus:
- Frühstück auf der Terrasse mit frischem Brot, Tomaten, Käse, Eiern und aromatischen Kaffee.
- Ein Ausflug nach Capdepera, Portopedro oder in ein kleines Bergdorf.
- Eine kulturelle Sehenswürdigkeit oder ein kurzer Spaziergang, gerne am Meer.
- Mittagessen in einem Restaurant, das mediterrane Küche anbietet.
- Eine Pause im Schatten oder in der Sonne, ganz nach Geschmack.
- Rückkehr zur Finca und ein Bad im Pool.
- Abendessen bei Sonnenuntergang – ohne Dresscode, ohne Schlange am Büfett, dafür einfach und gut auf der Terrasse.
Gerade diese Mischung aus Entdecken und Nichtstun macht für mich den Reiz eines Mallorca-Urlaubs aus. Die Insel muss nicht in einer Woche vollständig erobert werden. Mallorca läuft nicht davon.

Portopedro
Praktische Tipps für entspannte Ausflüge
Damit aus einem schönen Geheimtipp kein kleiner Abenteuerroman wird, beachte ich einige einfache Regeln:
- Früh starten, besonders bei beliebten Dörfern und Aussichtspunkten.
- Für Bergstraßen und kleinere Küstenwege ein kleines, wendiges Mietauto wählen.
- Bequeme Schuhe einpacken – mallorquinisches Kopfsteinpflaster ist charmant, aber nicht immer fußfreundlich.
- Wasser und Sonnenschutz mitnehmen, auch bei bewölktem Himmel.
- Öffnungszeiten von Klöstern, Museen und Sehenswürdigkeiten vor dem Besuch prüfen.
- Bei abgelegenen Buchten keine Infrastruktur erwarten.
- Rücksicht auf Natur, Anwohner und knappe Parkmöglichkeiten nehmen.
Mallorca in aller Ruhe entdecken
Die schönsten Mallorca Geheimtipps liegen für mich nicht unbedingt dort, wo gar kein anderer Mensch unterwegs ist. Sie liegen dort, wo man die Insel bewusster erlebt: in einem stillen Bergdorf, bei einem Glas Wein über dem Meer, in einem Kloster mit Geschichte oder auf der Terrasse einer schönen Finca.
Wer Kultur, Landschaft und entspannte Ausflüge miteinander verbinden möchte, findet auf Mallorca unzählige Möglichkeiten. Mein wichtigster Tipp lautet deshalb: Nehme Dir weniger vor, dafür mehr Zeit für die einzelnen Orte, erlebe und genieße dadurch intensiver. Vielleicht beginnt genau dann der schönste Teil der Reise.
Alle Fotos, sofern nicht anders angegeben: Beate Ziehres
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