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Leba – die größte Überraschung unseres Urlaubs in Polen

„Lass uns nach Polen fahren!“ Sprach mein Schatz und überließ mir großzügig die Planung eines sommerlichen Roadtrips mit dem Motorrad. Meine Frage, wo es denn genauer hingehen sollte, konnte er auch beantworten: an die Ostsee zu den Wanderdünen von Leba. Donnerwetter! Da hatte er sich aber Mühe gegeben mit der Recherche. Und so landeten wir in Leba.

Zwei Motorräder am Wegesrand – Foto: Beate Ziehres

Nicht mehr allzu weit bis Leba … – Foto: Beate Ziehres

Wo liegt Leba?

Das Städtchen liegt an der polnischen Ostsee in der Woiwodschaft Pommern, etwa 50 Kilometer westlich der Danziger Bucht. Beiderseits des Ortes erstecken sich Europas mächtigste Wanderdünen.

Die von Kaschuben im 10. Jahrhundert gegründete Siedlung erlebte eine wechselvolle und spannende Geschichte. Sie fiel in den Einflussbereich des deutschen Ordens und bekam schon im 14. Jahrhundert Stadtrechte. Immer wieder zerstörten mächtige Stürme, die hier „Seebär“ genannt werden, und gewaltige Fluten den Ort und den Hafen.

In Leba fährt man wie vor 1.000 Jahren auch heute noch zum Fischen auf's Meer – Foto: Beate Ziehres

In Leba fährt man wie vor 1.000 Jahren auch heute noch zum Fischen auf’s Meer – Foto: Beate Ziehres

Im Jahr 1862 wurde Leba zum Ostseebad. Man baute eine Bahnlinie, die ab etwa 1900 Urlauber in die Stadt brachten. Heute fahren Nachtzüge direkt aus dem Süden Polens nach Leba, viele Touristen kommen aber auch mit dem Auto oder dem Wohnmobil.

Leba als Zufluchtsort für Künstler

Bald nach den Erholungssuchenden entdeckten die Künstler den Ort am Rand des damaligen deutschen Reiches für sich. Hier konnten sie unbehelligt von nationalsozialistischer Verfolgung arbeiten und leben.

Der Hafen von Leba im Abendlicht – Foto: Beate Ziehres

Ein sicherer Hafen: Leba im Abendlicht – Foto: Beate Ziehres

1921 kam mit Max Pechstein einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Expressionismus nach Leba – auf der Suche nach einem Fleck Erde, „der nicht von Malern, Touristen und Badegästen überlaufen war“. Die Dünenlandschaft erinnerte den Maler an die Kurische Nehrung, wo Pechstein bis dato gelebt hatte.

„Ich lernte diese Küste nicht nur schätzen, sondern auch lieben. Sei es nun, dass ich auf meinen Streifzügen weiter ins Land hinein, ins ‚Blaue Ländchen’ kam, in herrliche Wälder, zwischen denen verborgene Seen aufblitzten und sprudelnde Flüsse und Bäche sich durch die Landschaft schlängelten.“ Max Pechstein

Ende der deutschen Ära

Auf dem Meeresboden vor der Kleinstadt liegt übrigens die als KdF-Kreuzfahrtschiff gebaute „Wilhelm Gustloff“, die in einer eisigen Januarnacht des Jahres 1945 von einem russischen U-Boot versenkt wurde. 9.000 Menschen, größtenteils Flüchtlinge aus Ostpreußen, nahm das sinkende Schiff mit in die Tiefe. Die vier Kapitäne, die zumindest eine Mitverantwortung für die Katastrophe und ihr Ausmaß getragen haben, wurden  gerettet.

Mit dem Krieg ging auch die beinahe 600 Jahre währende deutsche Ära in Leba zu Ende. Der Ort bekam polnische Einwohner, die sich an der Leba-Mündung ein neues Leben aufbauten.

Was Sie in Leba sehen müssen

Das muntere Treiben zwischen Strand und dem Vergnügungspark am Hafen erinnert mich an Badeorte auf Mallorca. Eis- und Imbissbuden, Shuffleboard-Tische, Riesenrutschen und Kinderkarussells sowie Verkaufsstände für aufblasbare Wassertiere und Handtücher säumen die Wege zum Wasser.

Waffeln und Eis in allen Variationen auf dem Weg zum Strand – Foto: Beate Ziehres

Waffeln und Eis in allen Variationen auf dem Weg zum Strand – Foto: Beate Ziehres

Strand

Plaza heißt der Strand auf polnisch, und in Leba ist er genial: feinsandig, weiß, endlos lang und breit, sauber. Das Wasser ist angenehm warm – zumindest in diesem Jahr – und darin zu baden ein Vergnügen. Für Ostsee-Verhältnisse kann es aber auch ordentliche Wellen geben, selbst bei bestem Wetter.

Der Oststrand von Leba, Polen – Foto: Beate Ziehres

Der Oststrand von Leba, Polen – Foto: Beate Ziehres

Über dem äußerst beliebten Oststrand thront ein Schlösschen – das Hotel Neptun – und sorgt für die charakteristische Postkartenansicht. An diesem Strand warten weitere Vergnügungsmöglichkeiten, Bar und Diskothek sowie Essens- und Getränkestände auf die Badegäste.

Charakteristisches Leba-Bild: das Hotel Neptun am Oststrand – Foto: Beate Ziehres

Charakteristisches Leba-Bild: das Hotel Neptun am Oststrand – Foto: Beate Ziehres

Wer am Strand lieber seine Ruhe hat, findet in Leba ebenso sein Glück. Wir sind einfach ein paar Hundert Meter weiter gelaufen und hatten den weißen Sand beinahe für uns alleine. Denn: Der polnische Ostseestrand nimmt kein Ende!

Geht auch einsam: Bernd am Oststrand von Leba – Foto: Beate Ziehres

Geht auch einsam: am Oststrand von Leba – Foto: Beate Ziehres

Jeden Abend, wenn die Sonne im Meer versinkt, mutiert der Oststrand zum Wallfahrtsort für Romantiker. Dann wird es nochmal richtig voll hier. Und auch in der Dämmerung leert sich dieser Platz nur langsam. Die Menschen lassen Lampions in den Himmel aufsteigen und feiern die langen Sommerabende. Wir haben die ausgelassene Ferienstimmung an den Abenden in Leba sehr genossen.

Sonnenuntergang am Strand von Leba – Foto: Beate Ziehres

Sonnenuntergang am Strand von Leba – Foto: Beate Ziehres

Den Sonnenuntergang am Oststrand von Leba bei einem Caipirinha genießen – ein Vergnügen, das nicht nur wir uns gönnen. Foto: Beate Ziehres

Den Sonnenuntergang am Oststrand von Leba bei einem Caipirinha genießen – ein Vergnügen, das nicht nur wir uns gönnen. Foto: Beate Ziehres

Nachtleben

Es heißt, dass Leba in den kurzen Sommernächten nicht zum Schlafen kommt. Diesen Eindruck haben wir auch gewonnen. Wenn sich die Menschen endlich vom Strand verabschiedet haben, gehen sie in die Stadt, um weiterzufeiern sowie zu essen und zu trinken. Unzählige Restaurants mit verschiedenen kulinarischen Schwerpunkten warten auf Kundschaft. Pizza gibt es fast überall, aber auch polnische Spezialitäten wie Pierogi (Piroggen, gefüllte Teigtaschen) und vor allem Fisch. Besonders beliebt bei den Polen ist frischgeräucherter Fisch. Die Warteschlangen an den Räuchereien am Hafen sind entsprechend lang.

Vergnügungspark am Hafen von Leba – Foto: Beate Ziehres

Vergnügungspark am Hafen von Leba – Foto: Beate Ziehres

Im Sommer fallen die Nächte in Leba gewissermaßen aus – Foto: Beate Ziehres

Im Sommer fallen die Nächte in Leba gewissermaßen aus – Foto: Beate Ziehres

Wanderdünen

Während uns das quirlige Leben im Städtchen und der wunderschöne Strand ehrlich überraschten, so waren wir auf die Wanderdünen schon vorbereitet. Denn sie waren ja der eigentliche Grund für unseren mehrtägigen Aufenthalt in Leba. Die Ausmaße der Sandmassen, die sich auf der Nehrung zwischen Meer und Leba-See bewegen, haben uns aber dann doch überwältigt.

Die Lacka-Düne im Slowinski Nationalpark – Foto: Beate Ziehres

Die Lacka-Düne im Slowinski Nationalpark – Foto: Beate Ziehres

Mit einem kleinen Elektrobus sind wir zum Eingang des Slowinski Nationalparks, in dem die Wanderdüne (Wydmy Ruchome) liegt, gefahren. Dort wartet ein anderes Bähnchen, welches die Besucher – vorbei an vielen Wanderern und Radfahrern – durch einen urtümlichen Wald zur Düne bringt. Vom Dünenrand geht es nur noch zu Fuß weiter, am besten barfuß.

Der feine, weiße Sand quietscht unter den nackten Fußsohlen, als wir die etwa 40 Meter hohe Düne erklimmen. Nachdem wir ausgiebig die Helligkeit und die eigentümliche Atmosphäre auf der Düne aufgenommen und die Aussicht genossen haben, laufen wir zum Strand.

Auf der Wanderdüne von Leba, Polen – Foto: Beate Ziehres

Auf der Wanderdüne von Leba, Polen – Foto: Beate Ziehres

Dort suchen wir etwas Erfrischung im warmen Wasser, bevor wir uns auf den acht Kilometer langen Rückweg entlang des Wassersaums machen. Der definitive Tagesausflug für alle Leba-Besucher! Wir haben Leute getroffen, die so angetan waren von der Düne, dass sie gleich am nächsten Tag wiedergekommen sind. Diesmal beide Wege zu Fuß am Strand entlang nehmend!

Leuchtturm von Stilo

Östlich von Leba bietet sich der Leuchtturm von Stilo (Latarnia Morska Stilo), der auf einer 45 Meter hohen Düne liegt, für einen Ausflug an. Der Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Leuchtturm wurde aus Stahlplatten erbaut – eine ungewöhnliche Konstruktion für ein Bauwerk dieser Art. Außergewöhnlich ist auch die Lage des Leuchtturms, dessen Feuer den Seeleuten auch heute noch den Weg weist: Er steht einen Kilometer von der Küste entfernt mitten in einem Wald.

Der Leuchtturm von Stilo – Foto: Beate Ziehres

Der Leuchtturm von Stilo – Foto: Beate Ziehres

Wer die luftige Plattform des Leuchtturms erklimmt, spürt die volle Wucht des Wetters, ist aber auch dem Himmel viel näher. Die überwältigende Aussicht ist ein schöner Lohn für die Mühen des Aufstiegs.

Dem Himmel so nah auf dem Leuchtturm von Stilo bei Leba, Polen – Foto: Beate Ziehres

Dem Himmel so nah auf dem Leuchtturm von Stilo bei Leba, Polen – Foto: Beate Ziehres

Was tun in Leba bei schlechtem Wetter

Während unserer Urlaubstage in Pommern war herrliches Wetter. Doch auch wenn es einmal regnen sollte, finden Gäste hier genügend Möglichkeiten, etwas zu unternehmen. Hier ist unsere Liste:

  • Fahrt mit der Galeone „Gryf“ oder mit dem Piratenschiff „Denega“ vor die Küste
  • Besuch im geheimen deutschen Raketentestgelände im Slowinski Nationalpark (Muzeum Wyrzutnia Rakiet – Tajny Niemiecki Poligon Doświadczalny)
  • Ausflug zum Sea Park Sarbsk
  • Besuch des Labirynt Parks (Labyrinth), des Saurierparks (Park Dinozaurow) oder des Power Parks in Leba
  • Bernsteine suchen am Strand
Die vollgeladene Galeone Gryf auf dem Weg zum offenen Meer – Foto: Beate Ziehres

Die vollgeladene Galeone Gryf auf dem Weg zum offenen Meer – Foto: Beate Ziehres

Unser Hotel in Leba

 Wir haben in Leba sehr angenehm im „Mar Baltico“ gewohnt. Unser geräumiges und modern eingerichtetes Zimmer mit extralangen Betten, das große Bad und der möblierte Balkon mit Blick ins Grüne haben uns gut gefallen.

Blick vom Balkon unseres Zimmers auf den Garten und die Nachbarschaft – Foto: Beate Ziehres

Blick vom Balkon unseres Zimmers auf den Garten und die Nachbarschaft – Foto: Beate Ziehres

Das Haus liegt zwar ein ganzes Stück vom Zentrum und vom Strand entfernt, aber beides ist bequem mit den ständig verkehrenden elektrischen Minibussen zu erreichen.

Das Hotel Mar Baltico – Foto: Beate Ziehres

Das Hotel Mar Baltico – Foto: Beate Ziehres

Übrigens: Auch in meinem Beitrag Motorradtour zu den Perlen Mecklenburg-Vorpommerns #1: Rügen geht es um Bernstein und wo man ihn findet.

Wissenswertes über die Wanderdünen und den Slowinski-Nationalpark finden Sie auf dieser Webseite oder hier.

2018-10-24T14:11:58+00:00Von |Polen|0 Kommentare

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