10 Tipps für einen Tagesausflug: Das tut im Frühling gut auf Sylt

von | Mai 9, 2017 | Allgemein, Urlaub in Deutschland

Ein Sonntag auf Sylt ist ein kurzes Vergnügen. Dennoch war die Aussicht, Deutschlands beliebteste Insel ohne große Vorbereitung kennenzulernen, verlockend. Also stehen wir eines schönen Morgens am Bahnhof, lösen mit Hilfe der engagierten Bahnmitarbeiterin ein Schleswig-Holstein-Ticket nach List und los geht die Fahrt. Hier kommen unsere zehn Tipps für einen entspannten Tag auf Sylt.

1. Spaziergang durch Keitum

Kurzentschlossen verlassen wir den Zug in Keitum, einem der ältesten Orte der Insel. Hier erhoffe ich mir Eindrücke vom Leben auf der Insel, bevor Sylt zum Urlaubsort wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert war Keitum beliebter Wohnort wohlhabender Kapitäne. Ihre Wohnhäuser, von traditionellen Friesenwällen umgebene schmucke Friesenhäuser, prägen das Ortsbild heute ebenso wie alter Baumbestand. Der ehemalige Hauptort Sylts gilt deshalb heute als der grüne Ort der Insel.

Auf dem Weg zum Wattenmeer kommen wir am Weberhof vorbei, dem Geburtshaus von Schwen Hans Jensen. Jensen zählt zu den bemerkenswertesten historischen Persönlichkeiten Sylts. Der ehemalige Landvogt von Sylt wurde 1844 Minister in der ersten „Provisorischen Regierung“ Schleswig-Holsteins.

Anderen Sylter Persönlichkeiten wie dem Vorkämpfer für ein unabhängiges Schleswig-Holstein Uwe Jens Lornsen oder dem Maler Magnus Weidemann widmet das Heimatmuseum Aufmerksamkeit. Auch das Altfriesische Haus, Haus des 1879 verstorbenen Inselchronisten Christian Peter Hansen, ist heute ein Museum. Es wurde im Jahr 1739 als Wohnhaus für einen Kapitän gebaut und zeigt heute die Keitumer Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts.

  • Heimatmuseum, Am Kliff 19, Keitum
  • Altfriesisches Haus, Am Kliff 13, Keitum

Gegenüber des Weberhofes genehmigen wir uns in einer kleinen Gasse zum Meer ein Eis, obwohl die Temperaturen nicht gerade sommerlich sind. Trotzdem empfehlenswert!

2. Besuch der St.-Severin-Kirche in Keitum

Etwas außerhalb von Keitum steht auf einem Hügel die Ende des 12. Jahrhunderts erbaute Kirche St. Severin. Das Gotteshaus ist eines der ältesten Kirchengebäude Schleswig-Holsteins. Der Platz um die Kirche war schon in vorchristlicher Zeit ein Kultort. Hier wurden germanische Götter verehrt und Tote bestattet. Die Grabinschriften auf dem Friedhof erzählen Geschichten über die Gemeinde, die Insel und von Menschen, die vom Festland kamen und geblieben sind. So haben neben alten Sylter Familien bekannte Persönlichkeiten wie der Spiegel-Gründer und -Herausgeber Rudolf Augstein und der Verleger Peter Suhrkamp hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Der dreiteilige, geschnitzte Flügelaltar stammt aus der Zeit der Spätgotik um 1480. Der Taufstein, mit einem Alter von rund 1.000 Jahren ältestes Stück der Kirche, verdient ebenso Aufmerksamkeit wie die Deckenausmalung von Franz Korwan.

Die neue Mühleisen-Orgel der St.-Severin-Kirche ist mit 46 Registern die größte Kirchenorgel Nordfrieslands. Die Messingleuchter hingegen stammen aus dem 17. Jahrhundert und wurden von ortsansässigen Kapitänen gestiftet. Beachten Sie bei Ihrem Besuch auch die originellen Türklinken. Sie haben die Form von Fischen und ich finde, dass sie ausnehmend angenehm in der Hand liegen.

3. Mittagessen am Meer

Bis wir uns schließlich in Westerland durch die Fußgängerzone – die Filialen der Mode-Ketten und Tinnef-Läden ignorierend – gearbeitet haben und das Meer sehen, ist es Zeit für ein Mittagessen. Wir finden auch direkt einen freien Strandkorb mit Seeblick in der Sonne – der perfekte Ort für eine Fischsuppe! Schmeckt bei Möwengekreische und an der frischen, salzigen Luft noch besser.

4. Den Leuten beim Arbeiten zuschauen

Nun geht es endlich auf die Strandpromenade! Wir zahlen ordnungsgemäß Eintritt, pardon, Kurtaxe und entdecken gleich eine Menschentraube. Die Passanten beobachten eine Planierraupe, deren Fahrer auf dem Strand Sand verteilt, der mit viel Wasser aus einem dicken Rohr sprudelt. Eine Maßnahme des Küstenschutzes, von der ich schon gelesen hatte. Weit vor der Küste nehmen Baggerschiffe, sogenannte Hopperbagger, Sand in den Laderaum auf. Dann fahren sie in die Nähe der Küste und spülen durch Rohrleitungen ein Wasser-Sand-Gemisch an den Strand. So gelingt es auf Sylt, den Sand, der bei Sturmfluten abgetragen wird, zu ersetzen. Bis zu zehn Millionen Euro kostet diese Methode, mit der größerer Landverlust verhindert wird.

5. Barfusslaufen und das Wasser testen

Ziehe ich Schuhe und Socken aus? Oder lieber nicht? Ein echter Schleswig-Holsteiner geht mit gutem Beispiel voran und motiviert mich, es auch zu tun. Und ich bereue es keine Sekunde. Zugegebenermaßen haben nur meine Fußsohlen das Wasser berührt. Es war zu dieser Jahreszeit – Ende April – ziemlich frisch. Doch der Sand ist wärmer als erwartet.

6. Muscheln sammeln

Ein Muss beim Strandbesuch: Muscheln und Treibgut sammeln. Solange es am Strand noch einsam ist, finden sich die schönsten Stücke.

7. Im Sand spielen

Spüren Sie auch so gerne den Sand durch die Finger rinnen? Wir können jedenfalls nicht widerstehen, ein bisschen im Sand zu spielen, wenn wir schon mal am Strand sind. Auch wenn nicht gleich eine Burg entsteht …

8. Spaziergang durch die Dünen

Nun zieht es uns weiter nach List. Im warmen Licht der Nachmittagssonne ist eine Wanderung in den Dünen ein Erlebnis. Die Wanderdüne von List ist als einzige und letzte Wanderdüne Deutschlands gar eine Sehenswürdigkeit – bis zu zehn Meter bewegt sie sich jährlich in östlicher Richtung. Ebenfalls schön: ein Spaziergang auf dem sogenannten Lister Ellbogen zum Leuchtturm List-Ost. Der Lister Ellbogen ist Deutschlands nördlichste Landspitze.

  • Achtung: Die Dünen stehen unter Naturschutz und dürfen nur auf gekennzeichneten Wegen betreten werden. Sogenannte“wilde“ Wege leisten der Erosion Vorschub. Das Erlebniszentrum Naturgewalten in List bietet exklusive Führungen zum Fuß der Wanderdüne an.

 

9. Fisch essen am Lister Hafen

Wenn die Ausflugsdampfer von der letzten Robbenfahrt des Tages in den Hafen von List zurückgekehrt sind, wird es etwas ruhiger hier. Dennoch lohnt sich auch am Abend noch ein Besuch am Hafen: Das Gosch Alte Bootshalle hat bis 23.59 Uhr geöffnet. Wir nehmen nur ein Krabbenbrötchen mit Knoblauchsoße auf die Hand, bevor wir wieder in den Bus nach Westerland steigen.

10. Extra-Tipp: Sylter Strandsaunen

Erst richtig schwitzen, dann beim Laufen durch die Dünen schon mal den Kopf abkühlen – und als Höhepunkt in die kalten Fluten der Nordsee stürzen. Das ist saunieren auf nordfriesisch. Fünf Strandsaunen gibt es am Weststrand zwischen List und Hörnum. Sie sind meist zwischen April und Oktober geöffnet. Die Strandsauna Listland erreichen Sie übrigens vom Sauna-Parkplatz oder der Bushaltestelle auf einem kurzen Fußweg durch eines der schönsten Dünentäler der Insel.

  • Mehr Informationen zu den Strandsaunen finden Sie hier.

 

Weitere Informationen

Alle Informationen rund um Sylt finden Sie auf der Webseite der Insel.

Tipp für die Anreise: Wir haben das Schleswig-Holstein-Ticket bis List genommen. Gilt auch für die Busfahrt von Westerland nach List.

Beate Ziehres

… reist und bloggt für ihr Leben gerne. Die Journalistin und Marketing- und PR-Managerin hat für Tageszeitungen und Magazine geschrieben, bevor sie die wunderbare Welt der Blogs und Online-Magazine für sich entdeckt hat. Auf Reiselust-Mag.de kann sie die beiden Dinge, die sie am liebsten tut, vereinen: Erst reisen und hinterher davon erzählen.

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