Wenn du das echte Irland erleben möchtest, dann solltest du unbedingt ins County Donegal in Irland. Hier fühlt sich alles etwas wilder an und irgendwie noch beeindruckender. Aber das ist natürlich ein total subjektiver Eindruck.
Unser Ziel, die Grafschaft Donegal, liegt im Nordwesten Irlands und ist 4-5 Stunden Autofahrt von Dublin entfernt.
Schon bei der ersten Reiseblogger WG im Jahre 2018 war mir klar, dass ich immer wieder hierher zurückkehren werde.
Untergebracht waren wir in Glencolmcille, einem kleinen, malerischen Ort, direkt an der Westküste. Die kleine Bucht lud uns jeden Tag auf einen Spaziergang ein. Und jeden Tag haben wir diese Einladung aufs Neue angenommen.

Der Regenbogen an unserem Strand
Der Wind hat nicht nur die damals noch vorhandenen Haare ordentlich zerzaust, sondern auch das Oberstübchen ordentlich durchgelüftet. Den Hügel rauf konnten man zu einem, wegen Napoleon erbauten Turm gelangen. Der Glen Head Signal Tower wurde etwa 1798, während der Napoleonischen Kriege errichtet und diente der Verteidigung vor den invasionswilligen Franzosen. In Donegal findet ihr eine Menge weiterer Signaltürme und Forts.
Ich hatte in Glencolmcille ein Hotel gemietet, dass heute leider nicht mehr zu buchen ist. Das große Gebäude bot eine Gemeinschaftsküche und einen Aufenthaltsraum, wo wir uns am Abend, nach unseren Ausflügen, zusammensetzen und besprechen konnten. Und einen Kamin gab es auch noch. Profitipp: Wenn ihr einen Kamin in eurem Haus in Irland habt: Unbedingt anmachen, dass ist urgemütlich!
Aber jetzt erstmal zu den Sehenswürdigkeiten von Donegal.
Mein Lieblingsort in Donegal sind die Klippen von
Slieve League

Die Klippen von Sliabh Liag
Kein Ort in Irland war für mich so ikonisch, so berührend, so schlicht grandios wie Slieve League Cliffs. Die Klippen erheben sich 601 Meter senkrecht aus dem Atlantik (und sind damit übrigens fast dreimal so hoch wie die berühmteren Cliffs of Moher! Oder auch: Es sind die höchsten Klippen Irlands)
Ganz oben findet ihr den One Man’s Pass, der eigentlich Dead Man’s Pass heißen sollte. Ihr könntet hier über einen sehr schmalen Pfad zum anderen Ende von Slieve League gelangen. Allerdings ist diese Wanderung wirklich nur erfahrenen Wanderern zu empfehlen. Starke Winde, Wetterwechsel und nicht immer trittfester Untergrund machen diesen Weg gefährlich.
Aber geht so weit hoch wie ihr könnt (Ihr müßt auf jeden Fall vollkommen schwindelfrei sein!), denn der Ausblick ist atemberaubend und vermutlich der Beste auf dem gesamten Wild Atlantic Way. Rechts der Abgrund mit Blick ins Tal und links der Blick auf das meist unruhige Meer.
Ein schneller Eindruck von den Slieve League Klippen:
Weil wandern so anstrengend ist, empfehle ich euch danach einen kurzen Stop in der
Rusty Makerel
in Carrick. Das Essen ist lecker, die Stimmung ist super und natürlich – wie soll es in Irland anders sein – bekommt ihr später am Nachmittag oder Abend auch oft Live-Musik zu hören. Wir hatten das Glück, dass wir sogar bei einer Geburtstagsfeier dort waren und so war die Stimmung noch herzlicher als ohnehin von den Iren gewohnt.

Die Rusty Makarel.
Wie bei fast allen irischen Pubs in Donegal auch, ist die Einrichtung der Rusty Makerel etwas älter, aber nicht ohne Charme. Das Pint Bier ist schnell gezapft und der Wirt hat immer Zeit für einen kurzen Plausch.
Tipp: Als Nachtisch sollte es schon ein Stück Kuchen sein!
Auch in Glencolmcille selber haben wir uns umgeschaut und besuchten das
Glencolmcille Folk Village
Das kleine Dorf ist ein Freiluftmuseum, in dem ihr sehen, fühlen und erleben könnt, wie die Menschen im Irland früher gelebt haben. Highlight unseres Besuchs war die Möglichkeit, das in Irland beliebte St. Brigid’s Cross selbst zu machen.
Das meist aus Binsen geflochtene Kreuz ist eine Mischung aus christlicher und keltischer Symbolik und nach einer Überlieferung war es die Heilige Brigida, die das Kreuz am Sterbebett eines heidnischen Königs flocht, um ihm Trost zu spenden und vom Christentum zu erzählen.
Als Info am Rande: Der 1. Februar ist in Irland der St. Brigid’s Day und ihr findet dann diese Kreuze über fast jeder Haustür, über Fenstern und im Haus in der Nähe eines Kamins. Natürlich heißt es, dass das Brigid’s Cross gegen böse Geister und Krankheit und allerlei mehr schützen sollen. Nur wenige Iren sind bis ins hohe Alter schwer krank und von Bösen Geistern hört man auch selten: Es hilft also wirklich. Oder?
Wo man wandern kann, seht ihr in diesem Video:
Bevor wir überhaupt in unserem Hotel ankamen haben wir aber auf dem Weg von Dublin erst einmal einen Stop gemacht in
Donegal Town und Killybegs
Sehr beeidruckend in der Stadt – selbst für Irland – ist das Donegal Castle. Das 1474 erbaute Schloss erhebt sich wuchtig am Flussufer des River Eske und sieht aus, als sei es durchaus für die Ewigkeit gebaut. Wahrscheinlich war es vom ehemals dort wohnenden O’Donnell Clan auch so gedacht. Heutzutage könnt ihr euch eine Führung gönnen. Dort wird euch einiges über die Geschichte des Castles und der Region erzählt.
Das Schloss wurde übrigens dann vom neuen Besitzer – einem Engländer namens Sir Basil Brooke – noch erweitert. Das ist der Grund, warum ihr zwei verschiedene Baustile findet könnt. Wenn ihr sowas denn erkennt. Ich habs nicht erkannt und erst unser Guide konnte mir die Augen öffnen für die Unterschiede – die ich, ehrlich geschrieben, auch heute wieder nicht sehen würde.
Nicht ganz unbedeutend ist übrigens die Tatsache, dass der letzte O’Donnell – Red Hugh O’Donnell – ein sehr bedeutender Anführer des irischen Widerstands gegen die englische Herrschaft war. Sein Clan verlor dann aber die entscheidende Schlacht und floh außer Landes.
Auch noch sehr sehenswert in Donegal Town ist das Donegal Craft Village, etwas außerhalb. Das Kunst- und Handwerkszentrum bietet euch aktuelles irisches Kunsthandwerk und ein Bummel macht unglaublich viel Spaß. Malerei, Glashandwerk, Keramik oder Schmuck: Jeder sollte hier was finden.
Unsere Anreise ging dann weiter über Killybegs. Eine Hafenstadt mit viel Charme und einem Schuhladen, der dem Cousin eines Pub-Besitzers in Glencolumbkille gehört. Das weiß ich deshalb, weil mir im Verlauf der 2 Wochen in Donegal meine Wanderschuhe kaputtgegangen sind. Und Colin vom Pub war mit auf der Wanderung. Sofort sagte er: Ach, kein Problem, wir fahren nach Killybegs und soundso zeigt dir passenden Ersatz.
Spannend in der Stadt war auch, dass immer wieder Hubschrauber am Hafen landeten. Wohl für die Fischerei, aber so ganz genau habe ich es nicht verstanden, was uns der irische Fischer da erzählt hat.
Später dann, als wir längst in unserem Hotel waren, ging einer der ersten Ausflüge an den wunderbaren
Silver Strand bei Malin Beg

Eine ewig lange Treppe führt hinab an den Strand und bevor ihr die Treppe überhaupt erreicht, bläst euch der Wind (auch hier) erstmal ordentlich den Kopf frei. Wir konnten uns alle gegen den Wind lehnen ohne umzufallen. Das passierte übrigens auch bei der WG ein Jahr später – mit anderen Reisebloggern, aber demselben, kräftigen Wind.

Unten angekommen empfängt euch ein kleiner Sandstrand, umgeben von bis zu 60 Meter hohen Klippen. Die See ist rau, auch hier unten weht ein guter Wind und wir waren die einzigen Gäste, obwohl dieser Strand (Der auch Malin Beg genannt wird) auf jeder Todo Liste steht. Zu Recht übrigens!
Ardara
Einer unserer Ausflüge hat uns dann nach Ardara geführt. Die kleine Stadt im Nordwesten von Irland war lange Zeit Zentrum des Handwerks und der Webkunst. Donegal Tweed ist hier der richtige Name. Aus der Wolle der Schafe wird zB ein dicker, warmer und strapazierfähiger Pullover oder ein Sakko gewebt. Es wird maschinell gewebt, wobei wir das Vergnügen hatten, bei Mick Molloy in seiner Weberei zu Besuch zu sein. Dort konnten wir selber am Webstuhl sitzen. Und mit ein bisschen stolz möchte ich erwähnen, dass diese Art Topflappen, die ich dort gewebt habe immerhin bis zum Ende der WG durchgehalten hat!
In der Stadt haben wir, mit Hilfe des Tourist Office, auch noch das Vergnügen gehabt, am Nachmittag ganz spontan bei einer Session dabei zu sein. Es wurde kurz rumtelefoniert, wer denn so Zeit hat und schwupps, schon saßen wir in großer Gruppe umringt von irischen Musikern und haben es einfach nur genossen.
Zu Mittag gegessen haben wir im Nancy’s an der Hauptstrasse – die Straße heißt, glaube ich, wirklich einfach Main Street. Im Jahr darauf haben wir ebenfalls dort gegessen, waren aber am Tag danach erneut in der Stadt und waren dann im Doherty’s nebenan. Auch der kleine Pub ist zu empfehlen.
Von der Stadt aus sind wir mit Einheimischen zum Assaranca Waterfall gefahren. Ein wunderschöner Ort. Ebenso schön sind Maghera Beach and Caves. Der Weg dorthin führt über den – von den Einheimischen so genannten – Granny’s Pass oder Granny’s Glen. Eine mehrere Kilometer lange Autostraße bei der wir eigentlich alle paar Meter für ein Foto aussteigen wollten, naja, ausgestiegen sind.
Glenveagh Castle und Glenveagh Nationalpark
Eingebettet in die Derryveagh Mountains, wartet eines der schönsten Naturschutzgebiete Donegals: der Glenveagh Nationalpark. Mit seinen 16.000 Hektar ist er der zweitgrößte Nationalpark der Insel — ein Mosaik aus Mooren, Gebirgsseen, Eichenwäldern und einsamen Hochtälern. Wer hier wandert, begegnet Rotwild, das sich kaum stören lässt, und Adlern, die majestätisch über das Bergpanorama ziehen.
Mitten in dieser Wildnis, am Ufer des Lough Beagh, thront das Glenveagh Castle. Erbaut zwischen 1867 und 1873, ein viktorianisches Schloss mit sehr gepflegten Gärten. Der Astelleen Burn Wasserfall rauscht nahe dem Schloss durch die Felsen und sorgt für eine ziemliche Geräuschkulisse.
Insgesamt braucht ihr für beides aber mindestens einen, besser zwei Tage.
Weitere Ausflugsziele in Donegal
Auch in Donegal findet ihr einen Dolmen. Der Kilclooney Dolmen ist aber für uns deswegen interessant gewesen, weil der Zugang über einen Privatweg führt. Man darf ihn zwar nutzen, muss aber damit leben, dass er über Weiden führt und man ab und an auch mal auf recht anhängliche Esel treffen kann.
Von dort zum sehr beeindruckenden Portnoo Strand ist es auch nicht mehr weit. Dort solltet ihr auf jeden Fall einen Stop machen!
Wenn ihr es bis ganz in den Norden von Donegal schafft, dann wartet dort mit dem Fanad Head Lighthouse eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten im County Donegal. Malin Head ist noch einmal etwas weiter im Nordosten, direkt oberhalb von Nordirland.
Ich erwähne es zum Abschluss gerne nochmal: Das County Donegal hat mich von allen Orten in Irland bisher am meisten beeidruckt. Wenn ich jemandem von Irland vorschwärme rede ich meistens von dieser Region. Die höchsten Meeresklippen in Europa, der Assaranca Wasserfall, besonders der Weg dorthin, der Silver Strand und all die Begegnungen und Gespräche in den 2 Wochen haben ihren Eindruck hinterlassen. Und eine Sehnsucht nach Irland in mein Herz gepflanzt die garantiert, dass ich wieder zurückkehre.
Aber so geht es fast jedem Irland-Reisenden. Ich weiß warum.
Hinweis:
Alle aufgeführten Sehenswürdigkeiten sind öffentlich zugänglich. Das Folk Village kostet Eintritt. Für den Glenveagh Nationalpark empfiehlt sich eine Voranmeldung in der Hochsaison. Der Wild Atlantic Way ist ganzjährig befahrbar; die beste Reisezeit für Donegal liegt zwischen Mai und September.