Startseite » Tangermünde – kulinarische Reise in die Vergangenheit

Tangermünde – kulinarische Reise in die Vergangenheit

[Werbung] Kistenweise Kuhschwanzbier – das ist das erste, was ich als Altmarkbloggerin bei meiner Ankunft in Tangermünde sehe. Das Bild der Bierkastenberge passt ganz gut. Schließlich widmet sich meine Reise durch die südöstliche Altmark den kulinarischen Genüssen der Region an Elbe und Tanger.

In Tangermünde Geschichte erleben

Die Kisten stehen – wie ich – auf dem Bürgersteig. Von meinem Standort fällt der Blick auf bauliche Zeugnisse aus der Blütezeit von Tangermünde. Vor mir erhebt sich riesengroß die St.-Stephans-Kirche. Das Gotteshaus wurde im 15. Jahrhundert zur gotischen Hallenkirche ausgebaut. Das beeindruckende Westwerk ist der höchste Kirchturm der Altmark.

Der gewaltige Westturm der St. Stephanskirche in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Der gewaltige Westturm der St. Stephanskirche

Rechterhand blicke ich die schmale Rossfurth zum Elbtor hinunter. Auch die nahezu komplett erhaltene Stadtbefestigung und die Stadttore entstanden im 15. Jahrhundert. Damals war Tangermünde Hansestadt.

Backsteingotik vom Feinsten am Neustädter Tor in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Backsteingotik vom Feinsten am Neustädter Tor

Backsteingotik überall: Sehenswürdigkeiten in Tangermünde

Ich könnte auch die Burg sehen, wenn die St.-Stephans-Kirche mir die Sicht nicht versperren würde. Den Herren der Burganlage, insbesondere Kaiser Karl IV, der die Burg im 14. Jahrhundert ausbauen ließ, hatte Tangermünde im Mittelalter Bedeutung und Reichtum zu verdanken.

Fast wäre Tangermünde noch bedeutender geworden, hätten sich die Bürger nicht mit den Herrschenden überworfen. Es ging um die geplante Einführung einer Biersteuer, gegen die das Volk rebellierte. Das war im Jahr 1488. Daraufhin verlegte Kurfürst Johann Cicero von Brandenburg seine Residenz nach Cölln ins Berliner Schloss.

Was bis dahin im Stile der norddeutschen Backsteingotik an der Mündung des Tanger in die Elbe entstanden war, blieb den Bürgern erhalten. Einige hundert Meter westwärts im Herzen der Altstadt steht beispielsweise das ab 1430 erbaute Rathaus mit einer spätgotischen Schauwand. Das Rathaus gilt als Paradestück deutscher Baukunst während der Epoche der Backsteingotik.

Rathaus der alten Hansestadt Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Das Rathaus der alten Hansestadt Tangermünde

Denkmal für Grete Minde

Im Rathaus befindet sich das Heimatmuseum und vor dem Gebäude das Denkmal für Grete Minde. Sie ist die wohl berühmteste Tangermünderin. Anfang des 17. Jahrhunderts war Grete Minde vorgeworfen worden, Feuer in der Stadt gelegt zu haben. Das Ergebnis war ein Brand, dem die Stadt fast komplett zum Opfer fiel. Die Frau wurde – zu Unrecht, wie man später erkannte – zum Tode verurteilt und auf grausame Art und Weise hingerichtet. Theodor Fontane hat Grete Minde eine eigene Novelle gewidmet.

Denkmal für Grete Minde am Tangermünder Rathaus. Foto: Beate Ziehres

Denkmal für Grete Minde am Tangermünder Rathaus

Nach dem Brand hat man Tangermünde im Fachwerkstil wiederaufgebaut. Wohin mein Blick – über die Kästen von Kuhschwanzbier hinweg – auch fällt: ich sehe prächtige Fachwerkhäuser, geschnitzte Balken, verzierte Portale und farbenprächtige Fassaden. Rotenburg des Nordens nennt man Tangermünde manchmal. Und ja, ich finde auch, dass eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden ist.

Blick über die Lange Straße zum Neustädter Tor in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Blick über die Lange Straße zum Neustädter Tor.

Speisen und übernachten wie anno dazumal in Tangermünde

Doch eigentlich bin ich ja nach Tangermünde gekommen, um die Besonderheiten aus Küchen und Kellern kennenzulernen. Deshalb treffe ich Tiemo Schönwald. Er erwartet mich vor einem Fachwerkhaus, das früher einmal eine alte Schule war. Und weil schönes Wetter ist sitzen wir draußen, gewissermaßen direkt vor dem mächtigen Turm und dem Portal der Stephanskirche.

Sitzplätze im Schatten der St. Stephanskirche: Exempel Gaststuben in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Sitzplätze im Schatten der St. Stephanskirche

Die Familie Schönwald hat das urige, windschiefe Gebäude im Jahr 1997 entdeckt und gekauft. Wofür es gut sein sollte, wussten Tiemo Schönwald, seine Mutter Erika und Schwester Ute damals noch nicht. Doch sie waren sich einig, dass sie das Haus wieder im Originalzustand aufbauen wollten.

Exempel Gaststuben in der alten Schule

Beim Hochnehmen der Bodendielen fanden sie unter anderem eine verkohlte Schicht, Stücke von Griffeln und Rechenstäbchen: Damit war klar: Das Haus steht auf den Fundamenten eines beim Stadtbrand zerstörten Hauses und beherbergte früher die Schule.

Heute ist die alte Schule eine Gaststätte und heißt Exempel Gaststuben. Die Vergangenheit hat Berücksichtigung unter anderem in der Speisekarte gefunden. Ich esse „Schulspeisung“: Nudeln mit Tomatensoße und gewürfelter Jagdwurst – so geht Nudeln mit Tomatensauce im Osten. „Unsere Idee war, erlebbar zu machen, was es hier regional gab“, sagt Tiemo Schönwald.

Schulspeisung in den Exempel Gaststuben in Tangermünde

In den Exempel Gaststuben verbinden sich Genuss, Gaudi und Geschichte. Die Küche ist bodenständig sachsen-anhaltinisch, wagt aber auch einmal Neues. So probiert Tiemo Schönwald an diesem Abend „Hansesack 2 Punktnull“, ein Gericht, das neu auf der Karte steht.

Es handelt sich dabei um zwei Sorten Käse, die in Papiersäckchen gegart sind. Der Käse kommt mit Paprika-Zwiebel-Gemüse, dazu gibt es geröstetes Knoblauchbrot und Salatbeilage. Zum Trinken kommt natürlich Kuhschwanzbier auf den Tisch, was sonst!

Tangermünde Exempel Gaststuben: der vegetarische Hansesack 2 Punktnull. Foto: Beate Ziehres

Vegetarisch: der Hansesack 2 Punktnull

Auf der Schulbank Feuerzangenbowle zelebrieren

Nach dem Essen zeigt mir der gelernte Betriebswirt – „den Betrieb habe ich dann weggelassen …“ die vielen Zimmer des Hauses – allesamt kleine Gasträume. Sei es nun das Schlafzimmer, die Wäschekammer oder das historische Schulzimmer, in dem man auf Heinz Rühmanns Spuren wandelnd „Feuerzangenbowle“ buchen kann. „Vor Weihnachten machen wir bis zu dreimal täglich Feuerzangenbowle“, schmunzelt Tiemo Schönwald.

Timo Schönwald im grünen Salon, Exempel Gaststuben. Foto: Beate Ziehres

Tiemo Schönwald zeigt uns auch die gute Stube: den grünen Salon der Exempel Gaststuben.

Sitzplätze in der Küche der Exempel Gaststuben, Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Beliebt: Sitzplätze in der Küche der Exempel Gaststuben

Zecherei St. Nikolai

Kulinarisch und auch vom Ambiente her geht es in der Zecherei St. Nikolai noch rustikaler zu und weiter zurück in die Vergangenheit – nämlich ins tiefste Mittelalter! Die Schönwalds haben die Gaststätte, die ursprünglich eine Kirche war, übernommen, als die Exempel Gaststuben schon gut am Laufen waren.

„St. Nikolai war die älteste Pfarrkirche der Stadt und hat tatsächlich noch einen Thron. Schon vor rund 500 Jahren wurde die Kirche entweiht. Seitdem hat das Gebäude viel erlebt. Zu Napoleons Zeiten diente es beispielsweise als Gefängnis“, erzählt Tiemo Schönwald.

Zecherei St. Nikolai in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Zecherei St. Nikolai in Tangermünde

Den Geist der alten Zeiten will man in diesem alten Kirchengemäuer lebendig erhalten. Davon zeugt nicht nur die Speisenkarte, auf der beispielsweise eine Streitaxt – ein Riesensteak mit Knochen – und Kanonenkugeln aus Blutwurst stehen.

Wer richtig tief ins Mittelalter eintauchen möchte, bucht hier ein mittelalterliches Festgelage, das von Sackpfeife, Trommel und Laute begleitet wird. Oder ein Zechbad im Holzzuber. Nicht umsonst nennt sich das Schönwald’sche Familienunternehmen Erlebenswert GbR.

Tangermünde: Spruch an der Zecherei St. Nikolai . Foto: Beate Ziehres

Immer einen Spruch … an der Zecherei St. Nikolai.

Exempel Schlafstuben

Übrigens konnte ich in der Nacht in Tangermünde auch noch etwas erleben: Ich durfte im Zimmer Gemach Karls IV in den Exempel Schlafstuben nächtigen. In welch prächtigem Bett ich schlummerte, zeige ich Ihnen demnächst in einem extra Beitrag.

Altmark, Tangermünde: Hotel Exempel Schlafstuben. Foto: Beate Ziehres

Adäquate Unterkunft in Tangermünde: das Hotel Exempel Schlafstuben mit unterschiedlichen Themenzimmern.

Übrigens, das Gebäudeensemble am Stadtbrunnen, das die Exempel Schlafstuben beheimatet und aussieht, als stünde es schon seit Jahrhunderten an dieser Stelle, ist teilweise neu gebaut. Es fügt sich so harmonisch ins Bild der historischen Stadt ein, dass ich mich bei meinem ersten Besuch in Tangermünde gar nicht stattsehen konnte.

Naschen früher und heute in Tangermünde

Die Nahrungsmittelproduktion hat lange Tradition in Tangermünde. Auch heute spielt sie als wirtschaftliches Standbein der Stadt noch eine Rolle. Wikipedia nennt die Lebensmittelindustrie an zweiter Stelle nach dem Tourismus. Seit 1826 gab es in Tangermünde eine Zuckerraffinerie – bis zum zweiten Weltkrieg eine der größten Europas. Die Stadt hatte zu dieser Zeit einen Zuckerhafen und im Betrieb des Firmengründers Friedrich Theodor Meyer wurde seit 1910 Feodora-Schokolade hergestellt. Heute wird Feodora in Bremen produziert.

Bio-vegane Schokolade aus der Konditorei Stehwien

Trotzdem treffe ich in Tangermünde einen alteingesessenen Schokoladenfabrikanten. Nein, falsch: Ich treffe Olaf Stehwien im Gutshaus Wittenmoor, einem echten alten Gemäuer. Der Elektroingenieur lässt sich gerade auf dem Rittergut häuslich nieder. „Es ist eine positive Aura im Haus“, sagt Olaf Stehwien, und er muss es wissen: Der Unternehmer ist auf Gut Wittenmoor aufgewachsen.

In Tangermünde produziert Olaf Stehwien heute Tangermünder Riegelspezialitäten nach traditionellen Rezepten sowie Pralinen und Schokolade vom Feinsten. „In unsere Schokolade kommen nur drei Zutaten: Kakaobutter, Kokosblütenzucker und Kakaopulver. Die Schokolade ist vegan, es sind keine Emulgatoren enthalten“, betont er.

Die Schokoladenproduktion ist bio- und IFS- (International Food-Standard) zertifiziert und arbeitet nachhaltig: „Wir produzieren mit Solarenergie, haben die Elb-Havel-Werkstatt – eine Behindertenwerkstatt – mit der Verpackung unserer Produkte beauftragt und verwenden ausschließlich Verpackungen, die kompostierbar und wiederzuverwerten sind.“

Den Kakao kauft Stehwien direkt bei einer bäuerlichen Kooperative in Peru. Mit seiner Hilfe können die Bauern Plantagen auf einer Flussinsel wieder bewirtschaften, die bereits aufgegeben waren. Die Anlage zur Fertigung der hauseigenen Schokolade hat laut Olaf Stehwien nie raffinierten Zucker oder Milch gesehen.

Olaf Stehwien. Foto: Beate Ziehres

Produzent feinster Schokolade: Olaf Stehwien

Das Geheimnis der Tangermünder Nährstange

Das bekannteste Produkt der Konditorei Stehwien ist – kein Zweifel – die Tangermünder Nährstange. Seit 1985 produziert der Familienbetrieb die Tangermünder Nährstange nach traditionellem Rezept. Hier sind nicht die Zutaten das Geheimnis des unverwechselbaren Geschmacks, sondern die Rezeptur.

Auf eine lange Tradition kann auch die Konditorei Stehwien selbst zurückblicken. Olaf Stehwiens Urgroßvater gründete das Unternehmen 1899 im altmärkischen Jävenitz als Feinbäckerei Stehwien. Nach dem Krieg erwarb die Familie eine Bäckerei in Tangermünde.

Hier im Betrieb seines Onkels verdiente Olaf Stehwien die ersten Sporen im Schokoladengeschäft. Später übernahm er die Konditorei, baute und erweiterte die Produktionsstätte, beschäftigte sich mit der Produktentwicklung und dem Vertrieb.

Schokoladenspezialitäten aus der Konditorei Stehwien in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Schokoladenspezialitäten aus der Konditorei Stehwien

Heute hat die Konditorei Stehwien neben der Nährstange und ihren Verwandten „Tanolo“ und „RolliStange“ eigene Pralinen und feine Schokolade – Magdeburger Kugeln und Magdeburger Schokolade – im Portfolio. Daneben produziert das Unternehmen mit 22 Mitarbeitern Schokoladen und Riegel für vier Unternehmen, die sich auf bio-vegane Süßwaren spezialisiert haben.

Auf Wittenmoor habe ich mich spontan verliebt in die Magdeburger Kugeln und die Magdeburger Schokolade. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich wahrlich kein Freund von handelsüblicher Schokolade bin. Mit üblicher Schokolade haben die Produkte aus dem Hause Stehwien allerdings nicht viel bis überhaupt nichts gemein.

Olaf Stehwien öffnet die Schachtel mit Magdeburger Kugeln. Foto: Beate Ziehres

Verführung pur: „Probieren Sie auch die Magdeburger Kugeln“, sagt Olaf Stehwien und öffnet die Schachtel.

Magdeburger Kugeln. Foto: Beate Ziehres

Zum Dahinschmelzen: die Magdeburger Kugeln

Zu meiner größten Freude habe ich beim Schreiben in meiner Küche Schokolade aus Tangermünde entdeckt. Mein Schatz hat den „Schoko-Schamanen“ von seiner Schwester zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ich kann leider nicht dafür garantieren, dass das Leckerchen die Rückkehr seines Besitzers noch erlebt.

Tangermünde: einkaufen wie die Altvorderen

Während meines Aufenthalts in Tangermünde sind mir tatsächlich außergewöhnlich viele nostalgische Geschäfte aufgefallen. Drei davon sollen hier vorgestellt werden.

Nadines WtB – Waren des täglichen Bedarfs

Vor zehn Jahren haben Nadine Wagener und Dietmar Siptroth in der Kirchstraße 4 ein Haus gekauft. Von Anfang an hatte das Paar die Idee, oben zu wohnen und unten zu arbeiten. Nadine Wagener hat Steinbildhauerin und Steinmetz gelernt und viel darüber nachgedacht, was sie heute gerne machen möchte. Das Ergebnis sehe ich heute: Sie betreibt jetzt mit Nadines WtB einen Kolonialwarenladen, den man gesehen haben sollte. „Ein bisschen ist es, wie Kaufladen spielen“, schmunzelt die Frau.

Haus der Familie Wagener-Siptroth in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Haus der Familie Wagener-Siptroth in Tangermünde

Tatsächlich gibt es hier Waren des täglichen Bedarfs, und zwar vorzugsweise aus der Region. Oder aber aus Italien. In den Regalen stehen Kaffee aus einer Stendaler Kaffeerösterei, Gewürze aus Neuruppin, Sekt, Liköre und Brände aus Diesdorf sowie Taubentanzbier aus Stendal. Dazu regionaler Käse, italienische Oliven, Gläser mit italienischem Pesto, mediterraner Schinken und Tomatensauce.

Nadines "Waren des täglichen Bedarfs" WtB in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Nadines „Waren des täglichen Bedarfs“ in der Altstadt von Tangermünde

Dietmar Siptroth und Nadine Wagener. Foto: Beate Ziehres

Dietmar Siptroth und Nadine Wagener

Ich frage Nadine Wagener, was denn die Verkaufsschlager seien. „Das Bier geht am besten“, sagt sie und verweist auf die beachtliche Auswahl des Gerstengebräus. Von Stralsund bis Bamberg reichen die Herkunftsorte der Flaschen in der Auslage. Noch. Wagener denkt darüber nach, die Angebotsvielfalt auszuweiten.

  • Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag ab 14 Uhr, Samstag ab 9 Uhr, je nach Wetter
Nadine Wagener und Dietmar Siptroth im Gespräch mit Altmarkbloggerin Beate Ziehres. Foto: Sybille Paetow

Nadine Wagener und Dietmar Siptroth im Gespräch mit Altmarkbloggerin Beate Ziehres. Foto: Sibylle Paetow

Artificium

Im Artificium direkt neben der Rezeption der Exempel Schlafstuben kommen Fans ausgefallener Kleidung zu ihrem Recht. Zu gerne hätte ich hier noch ein bisschen gestöbert, aber ich habe so gut geschlafen im Bett Kaiser Karls und mich dann noch zu lange am Frühstücksbuffet gelabt – zu gut deutsch: Ich hatte keine Zeit mehr. Neben Damenbekleidung gibt es hier außerdem Holzspielzeug, Tangermünder Marmeladen und das legendäre Kuhschwanzbier.

Ostprodukte-Versand

In der Nähe des Neustädter Tors finden Ostalgiker in der Langen Straße 74 ihr Eldorado. Der Ostprodukte-Versand vertreibt nicht nur online Club Cola, Komet Puddingpulver Pistazie und DVDs mit Titeln wie „Vier Panzersoldaten und ein Hund“. Im kleinen Laden gibt es auch offline eine Auswahl beliebter DDR-Produkte.

Ladengeschäft Ostprodukte-Versand in Tangermünde, Lange Straße. Foto: Beate Ziehres

Ladengeschäft Ostprodukte-Versand in Tangermünde, Lange Straße

Extratipp für Kunstliebhaber: Galerie Siptroth

Tür an Tür mit Nadines WtB betreibt Nadine Wageners Lebensgefährte Dietmar Siptroth die Galerie Siptroth. Etwa alle drei Monate wechselt Siptroth die Ausstellung in den modernen Galerieräumen. Während meines Besuchs in der Altmark stellt hier Grit Rademacher aus. Die freischaffende Künstlerin wohnt mit Mann und Kindern seit neun Jahren in Jerchel, einem Ortsteil von Tangerhütte.

Grit Rademacher in der Galerie Siptroth in Tangermünde. Foto: Beate Ziehres

Grit Rademacher in der Galerie Siptroth

Aus der Stadt ist die Familie in die völlige Abgeschiedenheit gezogen, auf einen Hof mit großen Eichen. „Das ist Romantik pur“, schwärmt sie und begründet den Schritt so: „Ich wollte meinen Kindern das ganze Bullerbü bieten.“ Jetzt hält Grit Rademacher Hühner, Enten, Gänse, ein Rind und ein Schwein und züchtet die seltenen Schwarzhalsziegen.

Doch nicht nur das: Die Künstlerin beschäftigt sich mit Malerei und Grafik und kreiert ihn ihrer Töpferwerkstatt Keramik- und Steinguterzeugnisse. Außerdem hat sie – inspiriert vom Leben auf dem Land – eine eigene Modelinie entworfen.

Ein Fazit am Ende des (Kuh)Schwanzes

Tiemo Schönwald ist überzeugt: „Hier in Tangermünde kann man etwas anfangen.“ Am Ende meiner Reise als Altmarkbloggerin würde ich diese Aussage noch etwas erweitern wollen: In der Altmark kann man etwas anfangen.

Altmark, Tangermünde: Auf der Langen Straße, im Hintergrund das Neustädter Tor. Foto: Beate Ziehres

Tangermünde Innenstadt: die Lange Straße mit dem Neustädter Tor im Hintergrund. Dazu passend ein historisches Tatra-Modell.

Grit Rademacher ist ein Beispiel. Als Neu-Altmärkerin hat sie sich mit viel Enthusiasmus und noch mehr Ideen eine Existenz abseits des Lebens in der Großstadt geschaffen. Auch die Schönwalds haben – basierend auf einem alten, baufälligen Haus – ein kleines Familienimperium aufgebaut.

Und sie haben das legendäre Kuhschwanzbier wieder zum Leben erweckt. „Seit es Stadtführungen gibt, wird vom Tangermünder Kuhschwanzbier erzählt und natürlich haben Gäste danach gefragt“, schreibt Tiemo Schönwald in „In the Middle of Nüscht“, einem Buch über die östlich Altmark. Deshalb wollte die Familie unter die Brauer gehen.

Schließlich entschieden sich die Schönwalds, das berühmte Bier in Kooperation mit einer altmärkischen Brauerei wieder aufzulegen. Seit rund 20 Jahren ist das Kuhschwanzbier, das mehrere Jahrhunderte vom Markt verschwunden war, wieder erhältlich. Vor allem in Tangermünde.

In den Exempel Gaststuben gibt es natürlich das berühmte Kuhschwanzbier. Foto: Beate Ziehres

In den Exempel Gaststuben gibt es natürlich das berühmte Kuhschwanzbier.

Vielen Dank an die Lokale Leader Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe, die mich zu dieser Recherche-Reise in die Altmark eingeladen und den Besuch vorbereitet hat. Als Altmarkbloggerin habe ich ein Honorar erhalten. Meine Meinung bleibt trotzdem meine eigene.

Über den Autor:

Beate ist hauptberufliche Bloggerin und Journalistin. Auf diesem und auf anderen Blogs zeigt sie Ihnen die Welt, wie sie ihr gefällt. Im Sommer ist sie gerne mit dem Motorrad, dem Cabrio oder auf irgendwelchen Booten unterwegs. Im Winter zieht es sie in wärmere Gefilde. Deshalb testet sie auch leidenschaftlich Thermalbäder, Saunen und andere Wellnesstempel.

Hinterlassen Sie einen Kommentar