[Werbung] Wo liegt Tangerhütte? Was gibt es dort zu sehen? Wie ticken die Leute und wovon leben sie? Diese Fragen habe ich mir gestellt, bevor ich die Stadt als Altmarkbloggerin kennengelernt habe. Das Ergebnis meines Tages in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte: Ich bin sehr angetan! Hier habe ich meine Erkenntnisse zusammengefasst.

Tangerhütte – Kleinod am südöstlichen Zipfel der Altmark

Die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte – dieser sperrige Begriff kann nur gelangweilten Kommunalrechtlern eingefallen sein – liegt im äußersten Südosten der Altmark. Tangerhütte hat rund 11000 Einwohner und gehört zum Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt. Das Gemeindegebiet wird im Osten zwischen Schelldorf und Kehnert von der Elbe begrenzt. Im Norden schließen Stendal und Tangermünde an Tangerhütte an. Im Süden berührt das Stadtgebiet den Landkreis Börde und im Westen die Hansestadt Gardelegen und damit den Altmarkkreis Salzwedel.

Daher hat die Stadt Tangerhütte ihren Namen

Der Fluss Tanger hat der Stadt ihren Namen gegeben. Die Quellbäche des Tangers vereinigen sich bei Tangerhütte zum Tanger. Die Stadt heißt übrigens erst seit 1928 Tangerhütte. Zuerst trug die 1842 gegründete Eisenhütte diesen Namen.

Altmark, Tangerhütte: die denkmalgeschützten ehemaligen Gießereihallen der Eisenhütte. Foto: Beate Ziehres

Die denkmalgeschützten ehemaligen Gießereihallen der Eisenhütte in Tangerhütte.

Die Eisenwerke Tangerhütte waren verantwortlich dafür, dass aus dem damaligen Ort Vaethen ein Industriestandort wurde. Die Gießereiprodukte der Hütte haben den Namen Tangerhütte weltweit bekannt gemacht.

In der Tradition der Hütte arbeitet noch heute das Nachfolgeunternehmen TechnoGuss GmbH. So ist die Gießerei am Tanger ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt geblieben. Die Produkte reichen von der Seiltrommel für den größten Teleskopkran auf dem deutschen Markt bis zum Armaturengussstück im Burj Khalifa in Dubai.

Doch die historischen Hallen und Werkstätten der Gießerei sind verlassen. Als Liebhaber schaurig-schöner Lost-Places-Bilder bin ich entzückt, als Bürgermeister Andreas Brohm mir die zeittypischen Backsteinfassaden zeigt.

Aber noch lieber mag ich Bilder von einstmals verlassenen Gebäuden, die aus ihrem Dornröschenschlaf geküsst und mit neuem Leben gefüllt wurden. Und ich bin optimistisch, dass dies auch in den Gießereihallen und in den beiden Schlössern – dem Alten und dem Neuen Schloss – in Tangerhütte eines Tages gelingen wird.

Altmark, Tangerhütte: das Neue Schloss. Foto: Beate Ziehres

Das Neue Schloss im Stadtpark Tangerhütte erhält ein neues Dach.

Landgenüsse in Tangerhütte

Landgenüsse in einer Stadt? Wie kann das sein? Tatsächlich hat sich in meinem Kopf der Eindruck einer sehr ländlich geprägten Stadt festsetzt. Denn Tangerhütte besteht aus mehr als 30 Ortschaften und Ortsteilen. Viele Orte haben gerade mal um die 100 Einwohner.

In Schernebeck, Schelldorf, Cobbel und Weißewarte lerne ich, dass die Leute in Tangerhütte Ideen haben. Und nicht nur das. Sie verwirklichen diese auch. Für ihre Heimat und für die Kunden nehmen Landwirte den Kampf gegen Bürokratie und Bedenkenträger auf. Was sie tun, tun sie mit großer Überzeugung und vollem Einsatz.

Christian Warnke, Cobbel: „Landwirt zu sein ist eine Lebenseinstellung“

Einer von ihnen ist Christian Warnke. Ich treffe den Physiker, Historiker und Diplom-Agraringenieur in Cobbel. Hier ist der Mann in der elterlichen Landwirtschaft aufgewachsen.

Christian Warnke hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Magdeburg gearbeitet und war sieben Jahre lang Dozent am Lehrstuhl für Mittelalter. Die Landwirtschaft hat ihn in all der Zeit nicht losgelassen. Deshalb ist er heute Öko-Bauer. Das Wissen aus seinen beiden anderen Professionen kann er bei Ackerbau und Viehzucht gut gebrauchen.

Tangerhütte, Cobbel: Christian Warnke. Foto: Beate Ziehres

Christian Warnke liebt die Weite auf dem Land.

Auf 2000 Hektar ökologisch bewirtschaftetem Land wachsen die unterschiedlichsten Kulturen, unter anderem Buchweizen, Dinkel und Luzerne. Aus Roggen und Dinkel von Warnkes Hof hat der Stendaler Bäcker Heiko Kerkow in diesem Frühling das spezielle Brot „Heimatkruste“ kreiert.

Damit ist Christian Warnke bei einem seiner Lieblingsthemen: Dem Leben auf dem Land.

„In meinen Augen ist es Luxus, hier zu leben.“ Christian Warnke

Er schätzt das großzügige Stück Land, das hinter seiner Veranda liegt. Hier ist viel Platz für kleine Biotope, einen Froschteich, Gemüsegarten, bunt blühende Wiesenblumen, Schafe, ein Findel-Kälbchen und für die Bienen seiner Frau.

Tangerhütte, Cobbel: Gemüsegarten bei Warnkes. Foto: Beate Ziehres

Der Gemüsegarten der Familie Warnke in Cobbel, Tangerhütte.

Tangerhütte, Cobbel. Frosch im Teich – Foto: Beate Ziehres

Natur pur bei Warnkes im Garten.

14 Bienenvölker nennt Dr. Britt Hoffmann ihr Eigen. Die nützlichen Insekten sammeln Nektar und Pollen hauptsächlich von ökologisch bewirtschafteten Flächen. Doch das alleine reicht nicht aus, um Bio-Honig zu verkaufen. Jährlich prüft eine Kontrollstelle, ob die Imkerin die Richtlinien für ökologische Bienenhaltung einhält.

Doch Christian Warnke findet auch kritische Worte für das System der Ökolandwirtschaft.

„Auch im Ökolandbau zählen nur noch Menge und Preis. Die Gewinnorientierung geht aber zulasten von Acker und Tier. Der Öko-Bauer muss überlegen, was er noch machen kann für Mensch und Landschaft.“ Christian Warnke

Tangerhütte, Cobbel: Christian Warnke erklärt, warum das Kälbchen im Garten ist – Foto: Beate Ziehres

Was macht das Kälbchen hier im Garten? Christian Warnke erklärt es.

Deshalb stellt er den Nachhaltigkeitsgedanken über die Idee der ökologischen Landwirtschaft und denkt ganzheitlich. Christian Warnke lässt die Charolais-Rinder und das Harzer Höhenvieh aus eigener Haltung auf dem Hof seiner Schwester Ariane Herms im benachbarten Schernebeck schlachten. Hier wird das Biofleisch auch verkauft. Lange Wege fallen damit weg.

„Bei der Generation zwischen 30 und 40 Jahren entsteht zurzeit ein neues Bewusstsein. Die Leute kaufen in der Region.“ Christian Warnke

Bevor ich mich von Christian Warnke verabschiede, will er mir noch seine Herde zeigen. Zu diesem Zweck fahren wir ein Stück in Richtung Elbe. Von einer kleinen Anhöhe aus blicken wir auf das sogenannte Elbknie. Und tatsächlich, ganz unten sehe ich auf grünen Wiesen nahe der Elbe weiße Pünktchen. Es sind die glücklichen Kühe von Christian Warnke, die hier grasen.

Altmark, Elbe: Blick in die Niederung am Elbknie. Foto: Beate Ziehres

Blick in die Niederung am sogenannten Elbknie.

Von der Weide direkt in den Laden: Bio-Rindfleisch vom Biohof 7 in Schernebeck

Auch auf den Weiden von Ariane und Lutz Herms in Schernebeck leben glückliche Tiere. Die Familie Herms nennt eine Mutterkuhherde der Rassen Angus und Charolais ihr Eigen.

Seit 2003 haben die Herms’ einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut und das Gehöft saniert. Der Hofstelle hat Ariane Herms den Namen Biohof 7 gegeben.

Tangerhütte, Schernebeck, Biohof 7. Foto: Beate Ziehres

Auf dem Biohof 7 bereitet man ein Fest vor. Im Hintergrund der Hofladen und die Räume zum Schlachten und zur Fleischverarbeitung.

Bei meinem Besuch erfahre ich, dass die Kälber auf dem Biohof 7 – anders als in der konventionellen Haltung – bei ihrer Mutter bleiben dürfen. Die Mutterkuh integriert das Kalb in die Herde, die einen großen Teil des Jahres auf der Weide verbringt. Die Kälber werden zwischen sechs und zehn Monaten gesäugt und fressen danach fast ausschließlich Gras. Dieses Haltungsverfahren nennt sich extensive Mutterkuhhaltung.

Einige Jahre haben die Herms’ die schlachtreifen Tiere verkauft. Inzwischen lassen Ariane und Lutz Herms allen Schwierigkeiten zum Trotz auf dem eigenen Hof  schlachten, zerlegen und verarbeiten.

„Es ist für uns wichtig, die Tiere von Geburt bis zum Tod zu begleiten und die Gewissheit zu haben, dass sie ein gutes Leben hatten.“ Ariane Herms

So bleibt den Rindern der Transport erspart, sie kommen von der Weide stressfrei direkt zum Schlachten. Fremde Tiere, beispielsweise aus Christian Warnkes Herde, ziehen schon lange vor dem Schlachttermin auf die Weide des Biohofs um.

Hier kümmert sich Lutz Herms persönlich um das Wohlergehen der Neuzugänge. Er geht täglich zu ihnen, spricht mit ihnen und streichelt sie, damit sie sich an ihn gewöhnen. Er sagt, dadurch werde vermieden, dass das Rind vor dem Schlachten in eine Stresssituation gerät.

Bei meinem Besuch in Schernebeck darf ich Fleisch aus der eigenen Produktion kosten und ich muss sagen: Man schmeckt den Unterschied!

Tangerhütte, Schernebeck. Schmeckt! Foto: Björn Gäde

Schmeckt gut: frisch gegrilltes Bio-Rindfleisch aus eigener Schlachtung auf dem Biohof 7. Foto: Björn Gäde

Das Bio-Rindfleisch vom Biohof 7 wird im eigenen Hofladen verkauft. Auf der Internetseite des Hofladens sind die Produkte von Markknochen bis Filet aufgelistet. Interessenten können hier die gewünschten Stücke online reservieren lassen.

„Wir haben das Gefühl, etwas Sinnvolles in der Region, für die Region und natürlich auch für uns und unsere Familie direkt hier vor Ort, wo wir leben, zu bewirken.“ Ariane Herms

Feinschmecker finden hier ein Rezept für Rindergulasch nach Ariane Herms.

Öffnungszeiten des Hofladens Biohof 7 in Schernebeck: Freitag von 14 bis 18 Uhr

Geschmackvolles Gemüse vom Spargelhof Garlipp in Schelldorf

Wer in der Spargelzeit in der Altmark unterwegs ist, kennt sie – die Spargelstände von Garlipp. Sie sind überall zu finden. Ich will das Geheimnis des Garlipp-Spargels lüften und bin deshalb in Schelldorf auf dem Spargelhof direkt hinter dem Elbdeich angemeldet.

Arne Garlipp nimmt sich trotz laufender Ernte Zeit und mich mit auf das Spargelfeld. Entgegen vorheriger Androhung muss ich nicht zum Messer greifen und selbst Spargel stechen. Glück gehabt! Denn ich hätte es nicht andeutungsweise so professionell wie die Mitarbeiter im Garlipp-Team hingekriegt.

Tangerhütte, Schelldorf: Spargelernte. Foto: Beate Ziehres

Nach wie vor Handarbeit: das Spargelstechen.

Trotzdem erklärt mir Arne Garlipp, wie die Spargelspinne funktioniert. Dieser elektrische Erntehelfer hebt die Folie auf den Spargelreihen an, legt sie wieder ordnungsgemäß ab und trägt die schweren Kisten.

Tangerhütte, Schelldorf, Garlipp Spargel. Arne Garlipp erklärt die Spargelspinne. Foto: Beate Ziehres

Arne Garlipp erklärt die Funktionsweise der Spargelspinne.

Die Aufgabe des Spargelstechers ist, die Augen nach Spargelköpfen offenzuhalten, den Spargel zu stechen und das Kommando zum Anhalten und Weiterfahren zu geben.

1995 hat die Familie Garlipp mit 10 Hektar Spargel angefangen. Heute wächst das Edelgemüse auf rund 70 Hektar und der landwirtschaftliche Betrieb ist komplett auf die Spargelproduktion ausgerichtet.

Tangerhütte, Schelldorf: Spargel wird nach Dicke sortiert. Foto: Beate Ziehres

Feinsäuberlich sortiert …

Tangerhütte, Schelldorf: Spargelschälmaschine bei Garlipp. Foto: Beate Ziehres

Blick in die Spargelschälmaschine auf dem Spargelhof Garlipp.

Nach ersten Versuchen, den Spargel in Hamburg auf dem Großmarkt zu verkaufen, haben Garlipps auf Direktvermarktung umgestellt. Seit Ende der 1990er-Jahre stehen die unverkennbaren Verkaufsstände an den Straßen.

„Spargel produzieren kann jeder, die Vermarktung ist die Kunst!“ Arne Garlipp

An den Ständen verkaufen nette Verkäuferinnen frischgestochenen Spargel in einer wunderbaren Qualität, sagt Arne Garlipp. Der gute Geschmack rühre übrigens daher, dass Garlipp-Spargel noch lebt, wenn er zum Kunden kommt.

Wie bitte?? Ich fühle mich an Roald Dahls Pflanzenforscher erinnert, da setzt Arne Garlipp noch einen drauf. Er erklärt mir, dass die weißen Stangen nach ihrer Ankunft auf dem Spargelhof Garlipp nur kurz gewässert werden, damit sie nicht ersticken.

Tangerhütte, Schelldorf: Arne Garlipp zeigt lebendigen Spargel. Foto: Beate Ziehres

Arne Garlipp weiß: Dieser Spargel lebt noch, denn er wird nur kurz gewässert.

„Den verkaufsfertigen Spargel kühlen wir auf 1,5 Grad. Bei dieser Temperatur wird der Kreislauf der Organismen heruntergefahren und der Geschmack bleibt erhalten.“  Arne Garlipp

Jedes Jahr pflanzen die Garlipps neuen Spargel an, zunehmend auch grünen. Denn die Nachfrage nach grünem Spargel steigt. Da eine Pflanze etwa fünf bis sieben Jahre lang Erträge bringt, ist es auch für Spargelbauern wichtig, frühzeitig auf Trends zu reagieren.

Trend hin oder her: Ich habe aus Schelldorf das Rezept für die ultimative Spargelsuppe mitgebracht und will es Ihnen nicht vorenthalten:

Rezept Spargelsuppe vom Spargelhof Garlipp

Zutaten:

  • 500 g Spargel
  • ¾ l Gemüsebrühe
  • 20 g Butter
  • etwas Zucker
  • 2 Stangen Porree
  • 1/8 l süße Sahne
  • 100 g Frischkäse
  • 2 EL Schmelzkäse
  • 2 Eigelb
  • Salz, 1 Msp. weißer Pfeffer und Muskat
  • 2 Msp. Cayenne-Pfeffer
  • ½ TL Petersilie und Dillspitzen
  • 1 TL Zitrone

Den geschälten und in Stücke geschnittenen Spargel in die mit Butter und etwas Zucker kochende Brühe geben. Nach 10 Minuten den geputzten, gewaschenen und in Ringe geschnittenen Porree dazugeben und noch etwa  5 Minuten kochen lassen.

Die Sahne, den Frisch- und den Schmelzkäse mit dem Eigelb verquirlen. Einige Löffel der fertigen Brühe zur Mischung geben und verrühren. Dann die Mischung vorsichtig in die nicht mehr kochende Suppe rühren. Mit Gewürzen und Zitronensaft abschmecken.

Kultur und Sehenswürdigkeiten in Tangerhütte

Das Neue Schloss und diverse Gutshäuser in den Ortsteilen machen Tangerhütte zu einem lohnenswerten Ziel für die Liebhaber alter Gemäuer. Das Herrenhaus Briest, heute wie früher im Besitz der Familie von Bismarck, verfügt über den zweiten Gartenträume-Park in der Stadt Tangerhütte. Im Gutshaus Elbschloss Kehnert und im Gutshaus Birkholz laden die Besitzer Gäste zum Übernachten ein. Auch die Bockwindmühle Grieben und der Penco-Turm Jerchel sind einen Abstecher wert.

Zu einer entspannenden Runde lockt der Stadtpark Tangerhütte. Er zählt zum touristischen Netzwerk „Gartenträume – historische Parks in Sachsen-Anhalt“. Tierfreunden sei an dieser Stelle der Wildpark Weißewarte empfohlen, in dem sich in diesem Frühjahr ganz viel getan hat.

Daneben gibt es in der Stadt einige Museen:

  • Buddelschiffmuseum
  • Heimatmuseum
  • Historische Automobilwerkstatt

Neues Schloss

Das Neue Schloss – zwischen 1909 und 1911 von der Industriellenfamilie Wagenführ erbaut – hat in diesem Sommer ein neues Dach bekommen. Damit diese notwendige Maßnahme in Angriff genommen werden konnte, haben sich die Tangerhütter ins Zeug gelegt.

Die Stadt Tangerhütte – voraus Bürgermeister Andreas Brohm – entwickelt jetzt Konzepte, wie das neu bedachte Neue Schloss genutzt werden kann. Denn schließlich sollen alle Bürger davon profitieren.

Tangerhütte: Eingang zum Stadtpark. Foto: Sibylle Paetow

Tangerhütte, Stadtpark: Ein Tor mit Stil – Foto: Sibylle Paetow

Eine von vielen Ideen, die schon 2015 realisiert wurde, ist das Bürgercafé im Neuen Schloss. Ehrenamtliche bewirten die Gäste an bestimmten Tagen im Schloss mit Kaffee und Kuchen. In der ersten Saison kamen rund 2500 Gäste. So erwirtschaftete der Förderverein für Industriegeschichte und Gartenkunst „Aus einem Guss“ allein in 2015 etwa 4000 Euro für die Sanierung des Schlosses.

Öffnungszeiten des Bürgercafés im Neuen Schloss Tangerhütte: Von April bis September an jedem ersten Wochenende im Monat, Sonnabend und Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr

Übrigens: Der Tangerhütter Bildhauer Otto Funke war maßgeblich an der künstlerischen Gestaltung des Neuen Schlosses beteiligt. Er entwarf auch die Modelle der beiden steinernen Sphinx-Skulpturen, die den Eingang des Schlosses bewachen. Die Figuren wurden in der Zementgießerei der „Hütte am Tanger“ gefertigt.

Tangerhütte, Neues Schloss, Sphinx-Skulpturen am Eingang. Foto: Beate Ziehres

Produkte aus der Gießerei in Tangerhütte: die Sphinx-Skulpturen vor dem Eingang des Neuen Schlosses.

Stadtpark Tangerhütte

Der historische Stadtpark in Tangerhütte soll einer der schönsten Parks in der Altmark sein. Er zählt zum Landesprojekt  „Gartenträume“. Ab 1873 ließ der Besitzer der benachbarten Eisenhütte den englischen Landschaftspark anlegen. Wie damals üblich wurden viele fremdländische Gehölze, vor allem aus Amerika und Asien, angepflanzt.

Tangerhütte, Stadtpark: künstlicher Wasserfall. Foto: Beate Ziehres

Sogar einen künstlichen Wasserfall hat man im Stadtpark Tangerhütte angelegt.

Ich bummele mit Andreas Brohm vorbei am künstlichen Wasserfall, am seerosenbewachsenen Teich mit einer Pergola und am berühmten Kunstguss-Pavillon. Der Pavillon wurde in der Gießerei nebenan für die Weltausstellung im ausgehenden 19. Jahrhundert hergestellt. Auf dieser Weltausstellung in Paris stellte man der staunenden Öffentlichkeit auch den Eiffelturm vor.

Tangerhütte, Stadtpark, Pavillon. Foto: Beate Ziehres

Das ist er: der berühmte Pavillon im Stadtpark.

Altmark Tangerhütte: Blick über den Schwanenteich des Stadtparks. Foto: Beate Ziehres

Tangerhütte: Blick über den Schwanenteich des Stadtparks.

Malerisch schmiegen sich Brücken ins Landschaftsbild. Auch die Sichtachsen sind noch intakt und geben den Blick auf das Mausoleum frei. Hier haben die Verstorbenen der Familie Wagenführ die letzte Ruhe gefunden. Die Parklandschaft mit dem Alten und dem Neuen Schloss steht als Ensemble mit den historischen Fabrikgebäuden unter Denkmalschutz.

Altmark, Tangerhütte: Sichtachse zum Mausoleum im Stadtpark. Foto: Beate Ziehres

Tangerhütte: Sichtachse zum Mausoleum im Stadtpark.

Ein Spaziergang in dieser Umgebung ist ein richtiger Genuss, eine Wohltat für das Auge und die Seele. Ich kann die Wagenführs verstehen, die diesen Park als einen Ort zur Zerstreuung nach harter Arbeit angelegt haben.

Wildpark Weißewarte

Jetzt lerne ich noch ein beliebtes Ausflugsziel kennen: den Wildpark Weißewarte. Laut Josefine Krohn, der Leiterin des Wildparks, kommen die Besucher neuerdings aus ganz Sachsen-Anhalt nach Weißewarte – des Wildparks wegen. Was ist passiert?

Tangerhütte hat sich in diesem Frühjahr mit dem Wildpark an der MDR-Aktion Frühlingserwachen beteiligt. An einem Tag haben unzählige freiwillige Helfer wirklich Unglaubliches bewegt im Wildpark.

Tangerhütte, Weißewarte: Neuer überdachter Grillplatz im Wildpark. Foto: Beate Ziehres

Der überdachte Platz zum Grillen und Sitzen war das Hauptprojekt beim MDR-Frühlingserwachen im Wildpark Weißewarte.

Unter anderem haben die Helfer eine Schlammkuhle im Rotwild-Gehege angelegt. Für Josefine Krohn kam die Krönung des Tages nach Abschluss des Arbeitseinsatzes: „Als die Tiere wieder ins Gehege gelassen wurden, stürzten sie sich sofort in die neue Schlammkuhle“, erzählt sie.

Tangerhütte, Wildpark Weißewarte, Reh. Foto: Beate Ziehres

Kein bisschen scheu, dieses Reh …

Die 24-Jährige ist die wahrscheinlich jüngste Zoodirektorin Deutschlands und für die flächenmäßig größte zoologische Einrichtung in Sachsen-Anhalt verantwortlich. Auf 15 Hektar Fläche beheimatet der Tierpark rund 400 Tiere, die 64 Arten angehören. Die kleinsten Tiere sind die Zwergwachteln und die größten sind die Wapitis. Das ist eine amerikanische Hirschart.

Tangerhütte, Wildpark Weißewarte, Josefine Krohn – Foto: Beate Ziehres

Josefine Krohn freut sich darüber, dass im Wildpark Weißewarte jetzt auch Bienen wohnen.

Josefine Krohn ist gelernte Zootierpflegerin. Sie hat in Nepal mit Elefanten gearbeitet und in Bremen die Krankenstation einer Kleintierklinik geleitet. Als ihr eine Stelle im Wildpark Weißewarte angeboten wurde, ist sie in die Altmark gezogen. So lerne ich an diesem Tag in Tangerhütte auch noch eine Neu-Altmärkerin kennen.

Vielen Dank an die Lokale Leader Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe, die mich zu dieser Recherche-Reise in die Altmark eingeladen und den Besuch vorbereitet hat. Als Altmarkbloggerin habe ich ein Honorar erhalten. Meine Meinung bleibt trotzdem meine eigene.