Startseite » Stendal – Genießertour durch Stadt und Umland

Stendal – Genießertour durch Stadt und Umland

[Werbung] Als Altmarkbloggerin zu erkunden, was Stendals Felder, Ställe und Küchen bieten – das klang wie eine Verheißung in meinen Ohren. Und meine Erwartungen wurden erfüllt. Doch zuerst ein paar Worte zur Hansestadt Stendal: Die Kreisstadt des Landkreises Stendal liegt nahe der Elbe 120 Kilometer westlich von Berlin und rund 55 Kilometer nördlich von Madgeburg. Kirchen und Stadttore der Hansestadt sind im Stil der Backsteingotik erbaut und von beeindruckender Pracht. Sie sind ein sichtbares Zeichen mittelalterlichen Reichtums. Albrecht der Bär, Markgraf von Brandenburg, gründete Stendal im Jahr 1160.

Regionale Produkte für Genießer

Als Altmarkbloggerin war ich drei Tage im Südosten der Altmark unterwegs, um regionale Produkte und die Erzeuger kennenzulernen. Weil viele landwirtschaftliche Betriebe inzwischen auf Direktvermarktung setzen, habe ich auch Hofläden besucht. So stand das Thema Essen und Trinken im Vordergrund dieser Reise, die sich als wahre Tour für Genießer entpuppt hat. Der erste Tag galt der Hansestadt Stendal.

Taubentanz – eine historische Marke erwacht zu neuem Leben

Geschmackvoller kann eine kulinarische Tour durch die Altmark wohl nicht beginnen: Ich sitze in der Privatbrauerei Stendal, vor mir diverse Flaschen und Gläser mit den innovativen Erzeugnissen des Startups.

Norman Schönemann und Leonie Schneider haben den traditionsreichen Stendaler Namen „Taubentanz“ wiederbelebt. Craftbeer, Pils, Bierbrand und Gin aus der Stendaler Privatbrauerei tragen bisher diesen Namen.

Stendal, Taubentanz Bierbrand – Foto: Beate Ziehres

Keine alltägliche Spirituose: Bierbrand.

Doch wenn es nach den beiden Gründern geht, kommen bald weitere Produkte dazu. Während andere den Feierabend vor dem Fernseher verbringen, tüfteln die Beiden in der Küche an neuen Rezepturen. Derzeit gilt ihre Aufmerksamkeit Bierlikör, Fassbrause und der Wiedergeburt des „Stendaler Bitterer Tropfen“.

Stendal, Stendaler Privatbrauerei, Leonie Schneider und Norman Schönemann – Foto: Beate Ziehres

Leonie Schneider und Norman Schönemann betreiben die Stendaler Privatbrauerei.

Um es klar zu sagen: Die Brauerei und die Brennerei sind das Hobby von Norman Schönemann und Leonie Schneider. Die umtriebigen Stendaler verdienen ihren Lebensunterhalt mit Personalvermittlung.

Im Frühjahr 2017 dachte Norman Schönemann erstmals darüber nach, sein eigenes Bier zu brauen. Nach der Lektüre von zwei Büchern wusste er, wie es geht. Im Frühsommer des gleichen Jahres lud er die Presse ein und stellte die neue Brauerei vor.

Stendal, Taubentanz Bierauswahl – Foto: Beate Ziehres

Bierauswahl der Stendaler Privatbrauerei.

Seitdem geht es Schlag auf Schlag: Aus der ersten 30-Liter-Brauanlage wurde eine 300-Liter-Anlage. Im vergangenen Jahr verkaufte die Stendaler Privatbrauerei 150.000 Flaschen Pils und Craftbeer. Diese Menge entstand allerdings nicht alleine in der Mini-Brauerei, in der ich mich gerade befinde. Einen Teil des Biers lässt Schönemann inzwischen in Colbitz nach seiner Rezeptur brauen.

In der kleinen Destille, die ebenfalls in der Betriebsstätte Platz gefunden hat, brennt Norman Schönemann Bierbrand und neuerdings auch Gin. „Gin läuft zurzeit sehr gut. Wir haben seit dem Verkaufsstart vor drei Monaten schon 400 Liter verkauft.“

Stendal, Brennerei der Stendaler Privatbrauerei – Foto: Beate Ziehres

Die Brennerei.

Das Rezept für einen eigenen Gin-Cocktail haben mir Leonie Schneider und Norman Schönemann verraten:

Rezept Gin Täubchen

4 cl Taubentanz-Gin
1 TL TK-Erbsen
frische Minze
200 ml Tonic Thomas Henry zum Aufgießen
Das ganze wird in einem Rotweinglas serviert.

Bier und Spirituosen der Marke Taubentanz sind bei Edeka in Stendal und Umgebung, bei Olivenbaum am Markt in Stendal und in der lokalen Gastronomie erhältlich.

Stendal, Stendaler Privatbrauerei: Norman Schönemann, Leonie Schneider, Sibylle Paetow, Björn Gäde, Beate Ziehres – Foto: Björn Menzel

Besuch in der Stendaler Privatbrauerei: (von links) Norman Schönemann, Leonie Schneider, Sibylle Paetow, Björn Gäde, Beate Ziehres – Foto: Björn Menzel

Stallbaum – Obst und Gemüse aus Stendal

Knackig frische Äpfel aus regionalem Anbau noch im Sommer? Das gibt es selten. Doch die Stallbaums in Stendal können damit dienen. Der landwirtschaftliche Betrieb, der neben anderem Kernobst, Spargel und Getreide 16 Sorten Äpfel anbaut, nutzt ein neuartiges Verfahren, um die Äpfel haltbar zu machen.

Während der Altmarkblogger-Tour besuche ich den Betrieb in Stadtrandlage. Hier lerne ich Juniorchef André Stallbaum kennen.

Stendal, Stallbaum: magere Kirschernte dieses Jahr: André Stallbaum – Foto: Beate Ziehres

André Stallbaum rechnet in diesem Jahr mit einer mageren Kirschernte.

Er erlaubt mir, einen Blick ins Langzeitapfellager werfen. Eine absolute Ausnahme, wie Stallbaum betont. „Die Äpfel werden bei 1,5 Grad Celsius in sehr stickstoffreicher Luft gelagert. Dadurch werden die Äpfel in eine Art Winterschlaf gebracht.“ 110 Tonnen Äpfel können die Stallbaums auf diese Weise lagern.

„Bei einem Sauerstoffgehalt von nur 1,5 Prozent kann man nicht einfach mal kurz nach den Äpfeln schauen.“ André Stallbaum

Bei unserem Rundgang über die Felder entdecke ich einige Bereiche mit einem violetten Blütenmeer. Hier wächst als Zwischenfrucht Phacelia, eine Düngepflanze. Die Blüten sind ein gefundenes Fressen für Bienen und Hummeln, nachdem  Kirsch- und Apfelbäume verblüht sind.

Stendal, Stallbaum: Biene in Phacelia-Blüte – Foto: Beate Ziehres

Biene an Phacelia-Blüte.

Nun warten André Stallbaum und seine Eltern Carola und Uwe Stallbaum auf die Ernte. In der Zwischenzeit können die  Landwirte nur mit Bewässerung auf Wetterkapriolen wie Dürre oder Hitze reagieren. „Wir müssen die Apfelsorten anbauen, die gegessen werden“, verdeutlicht André Stallbaum. Da eine Baumgeneration etwa 20 Jahre lang Erträge bringt, ist der Obstbauer gut beraten, Trends frühzeitig aufzuspüren und gegebenenfalls andere Sorten anzupflanzen.

So haben die Stallbaums im vergangenen Herbst erstmals die Sorte Pinova geerntet, die jetzt im Verkauf ist. In diesem Jahr kommen Topaz und Wellant als neue Sorten dazu. Doch André Stallbaum liebäugelt auch mit den sogenannten alten Sorten. Zu Testzwecken hat der Betrieb Gravensteiner und den Seestermüher Zitronenapfel angepflanzt.

 

Stendal, Scheunenladen Stallbaum: AltmarkBlogger-Besuch auf der Kirschplantage – Foto: Björn Gäde

Gespräch in der Kirschenplantage – Foto: Björn Gäde

Hofgut Uchtspringe – tierische und pflanzliche Produkte aus liebevoller Hand

Das Hofgut Uchtspringe ist ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch: Neben der Zufahrt scharren Hühner unter den Bäumen, im Stall grunzen Schweine und ein paar Türen weiter schauen mich Kaninchen neugierig aus ihrem Stall heraus an. Auch das Kälbchen, das mit der Hand aufgezogen wird, streckt die Nase in die Linse meiner Kamera.

Altmark, Hofgut Uchtspringe: Kälbchen. Foto: Beate Ziehres

Neugieriges Kälbchen auf dem Hofgut Uchtspringe, Altmark.

In diesem Ambiente, in dem die Zeit still zu stehen scheint, arbeiten 60 Menschen mit Behinderung. Und vor allem mit Hingabe. „Unsere Mitarbeiter entscheiden sich bewusst dafür, auf dem Hofgut zu arbeiten“, sagt Dörthe Wallbaum. Sie ist Leiterin des sozialen Dienstes in den Werkstätten und stellvertretende Werkstattleiterin der Lebenshilfe in der Region Stendal.

In den Gewächshäusern des Hofs gedeihen Blühpflanzen und Tomaten, auf den Beeten darum herum anderes saisonales Gemüse. Wir dürfen Mairübchen, Kohlrabi, Möhren und Radieschen kosten. Das Gemüse schmeckt wie frisch aus dem Garten: sehr lecker! Dazu gibt es Brote mit Wurst, die aus dem Fleisch der Tiere vom Hofgut hergestellt sind. Die Wurst überzeugt mich so sehr, dass ich einen kleinen Vorrat mit nach Hause nehme.

Stendal, Uchtspringe, Hofgut: Tomatenpflanzen – Foto: Beate Ziehres

Tomatenpflanzen auf dem Hofgut in Uchtspringe.

Stendal, Uchtspringe, Hofgut: Mittagsimbiss aus eigener Herstellung – Foto: Beate Ziehres

Alles aus eigener Produktion: Mittagsimbiss auf dem Hofgut Uchtspringe.

„Wir haben kein Bio-Siegel, aber wir sind Bio“, erklärt Torsten Reumann, Leiter des Hofguts Uchtspringe, den Geschmack. Die Kühe und Rinder sind heute draußen auf der Weide. Man sieht förmlich, wie gut es ihnen auf den saftigen Wiesen im Quellgebiet der Uchte gefällt. Sie liegen im Schatten alter Bäume und käuen wieder.

Torsten Reumann sagt, dass sich die 43 Tiere der Herde aufhalten können, wo sie wollen: entweder im Stall oder auf der Weide. Tiere, Menschen und Natur werden hier achtungsvoll behandelt, trotzdem steht der Versorgungsgedanke auf dem Hofgut im Vordergrund.

Stendal, Uchtspringe, Hofgut: Torsten Reumann, Dörthe Wallbaum – Foto: Beate Ziehres

Sind verantwortlich dafür, dass auf dem Hofgut alles läuft und gedeiht: Torsten Reumann und Dörthe Wallbaum.

Regelmäßig sind Kinder hier in Uchtspringe zu Gast, um Landwirtschaft so zu erleben, wie sie eigentlich funktionieren sollte. Und wenn sich bei diesem Anlass ein Kind in ein Kaninchen verliebt, darf der Nager gegen einen entsprechenden Obolus auch umziehen.

Bio Edelpilze Altmark – aus Liebe zum Pilz

Vasyl Shvedyk liebt Pilze, seit er denken kann. Er ist in den Karpaten geboren. Dort ist es üblich, im Sommer Pilze zu sammeln, um im Winter etwas zu essen zu haben. In Deutschland hat er die Pilze immer vermisst.

Als er sich mit seiner Familie vor einigen Jahren im Stendaler Ortsteil Heeren auf einem verlassenen Bauernhof niederließ, ging für Vasyl Shvedyk ein Traum in Erfüllung: Endlich hatte er genug Platz für die Pilzzucht.

Nachdem er recherchiert und ein paar Bücher gelesen hatte, ging es los. Seitdem wachsen im ehemaligen Schweinestall Austernsaitlinge, Shiitake und andere Arten. Vasyl Shvedyk hat sich auf den kontrolliert ökologischen Anbau von Edel-, Vital- und Heilpilzen spezialisiert.

Heilpilz? Was hat das zu bedeuten, frage ich Vasyl Shvedyk. Und schon stehen wir im ehemaligen Schweinestall, in dem es jetzt nach Pilzen riecht.

„Wichtig ist, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit stimmen. Außerdem mögen Pilze Sauerstoffaustausch und natürliches Licht.“ Vasyl Shvedyk

Bei 15 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit gedeihen die besonderen Pflanzen am besten.

Vasyl Shvedyk greift in eines der vielen Regale und holt ein Stück Substrat mit braunen, glänzenden Pilzen darauf heraus. Es ist der Glänzende Lackporling, auch Reishi oder Lingh Zhi genannt. Der Pilz erhöht den Sauerstoffgehalt im Blut. Auf dieser Eigenschaft beruht die heilende Wirkung.

Stendal, Heeren, Bio Edelpilze Altmark, Vasyl Shvedyk und Heilpilz Reishi – Foto: Beate Ziehres

Vasyl Shvedyk zeigt uns den Heilpilz Reishi.

Ein halbes Jahr muss Reishi wachsen, bis er geerntet werden kann. Andere Pilzarten wachsen da sehr viel schneller. Der Austernsaitling braucht beispielsweise nur vier Wochen. Doch es geht auch noch sehr viel langsamer. „Ich wollte einmal Trüffel probieren“, schmunzelt Vasyl Shvedyk. „Aber die brauchen fünf bis 7 Jahre.“

So ist er erst einmal bei Saitlingen, Shiitake und Co. geblieben. Zwei Tonnen Edelpilze erntet Vasyl Shvedyk jedes Jahr. Die frischen Pilze und Produkte, die die Familie selbst entwickelt und herstellt, werden im Hofladen (siehe unten) oder im Internet verkauft.

Regional einkaufen in Stendal

In Hofläden, Verkaufswagen und -ständen sowie auf dem Bauernmarkt werden regionale Produkte aus der Altmark angeboten. Oft kommen Obst und Gemüse direkt vom Feld. Auch hausgemachte Wurst, Wilderzeugnisse und Kräuter sind hier erhältlich. Einkäufe direkt beim Landwirt folgen der nachhaltigen Idee. Denn die Wege sind kurz und die Betriebe vor Ort werden gestärkt.

Bauernmarkt in der Hansestadt

Im ehemaligen Feuerwehrhaus in der Bruchstraße findet zweimal wöchentlich der Bauernmarkt Stendal statt. Hier kaufen Sie Eier und Kartoffeln, Gemüse aus regionaler Ernte, geräucherten Fisch, frisches Geflügel und hausgemachte Wurst – alles direkt von Erzeugern aus der Region.

Die Tore öffnen sich dienstags zwischen 9 und 13 Uhr zum kleinen Bauernmarkt. Der große Bauernmarkt findet samstags von 8 bis 12 Uhr statt.

Scheunenladen Stallbaum

Im Scheunenladen Stallbaum ist augenfällig, dass die Äpfel hier im Mittelpunkt stehen. Der landwirtschaftliche Betrieb in Stendal verkauft 90 Prozent des nachhaltig erzeugten Obstes über den Scheunenladen.

Altmark, Stendal: Im Scheunenladen Stallbaum vermarktet die Familie Äpfel aus eigener Ernte. Foto: Beate Ziehres

Stendal: Im Scheunenladen Stallbaum vermarktet die Familie Äpfel aus eigener Ernte.

Süßkirschen von den Plantagen hinter dem Scheunenladen finden hier ebenso reißenden Absatz wie Spargel vom eigenen Feld. Dazu kommen Produkte, die aus Erzeugnissen des Hofes selbst hergestellt wurden: beispielsweise phantasievolle Saft-Kreationen wie Apfel-Rhabarber (köstlich!) oder reiner Jonagold-Apfelsaft, Marmeladen und Gewürzgurken.

Altmark, Stendal: Katergurke im Scheunenladen Stallbaum. Foto: Beate Ziehres

Stendal: Selbstgemachte Katergurken im Scheunenladen Stallbaum.

Stendal, Scheunenladen Stallbaum: selbstgemachte Säfte – Foto: Beate Ziehres

Säfte aus dem eigenen Obst gibt es im Scheunenladen Stallbaum.

Auch der Phacelia-Honig, den die Bienen eines Imkers auf den Flächen der Stallbaums sammeln, ist im Laden erhältlich. „Grundsätzlich soll alles, was wir hier verkaufen, auch in der Region gewachsen sein“, sagt André Stallbaum. Das gilt auch für Käse, Lamm- und Wild-Salami sowie Kräuter anderer Anbieter.

Uwe und Carola Stallbaum, Andrés Eltern, haben den landwirtschaftlichen Betrieb 1994 gegründet. Seit einigen Jahren konzentriert sich das Familienunternehmen mit dem Scheunenladen auf die Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse.

Stendal, Scheunenladen Stallbaum: Eingangsbereich – Foto: Beate Ziehres

Kräuter, edle Salami-Arten und Bio-Käse gibt es im Scheunenladen Stallbaum.

Öffnungszeiten des Scheunenladens: Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr

Während der Spargel- und Kirschenzeit ist der Scheunenladen täglich schon ab 8 Uhr geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen. Nach dem Ende der Kirschenzeit (etwa Anfang August) geht der Scheunenladen bis zum Start der Apfelsaison Anfang September in die Sommerpause. Mehr Informationen auf der Webseite des Scheunenladens.

Hofladen Hofgut Uchtspringe

Im Hofladen des Hofguts Uchtspringe ist alles im Angebot, was der Hof selbst und Werkstätten der Lebenshilfe hervorbringen: Eier, Wurst aus dem Fleisch der eigenen Tiere, Gemüse der Saison, Jung- und Zierpflanzen im Frühjahr, Trauerfloristik im Herbst sowie Enten und Weihnachtsschmuck im Winter. Keramik kommt aus der Werkstatt der Lebenshilfe in Tangerhütte.

Altmark, Uchtspringe: Hofladen. Foto: Beate Ziehres

Eingang des Hofladens auf dem Hofgut Uchtspringe.

Am 3. Samstag im September lädt die Lebenshilfe üblicherweise zum Hofgutfest nach Uchtspringe. Dann werden im holzgefeuerten Ofen des Backhauses Schweinekeulen und Sauerkraut zubereitet. Die Menschen in der Region wissen das zu schätzen. „Das Hofgutfest lockt zwischen 1500 und 2000 Besucher an“, erzählt Dörthe Wallbaum.

Doch das Hofgut beteiligt sich auch an Veranstaltungen in der Region. So ist der Hofladen traditionell beim Steinfelder Bauernmarkt, dem größten Bauernmarkt der Altmark, anzutreffen.

Öffnungszeiten des Hofladens in Uchtspringe: Montag bis Donnerstag 9 bis 16 Uhr, Freitag 9 bis 15 Uhr

Ab-Hof-Verkauf Bio Edelpilze Altmark in Heeren

Bei unser Ankunft im Hofladen von Bio Edelpilze Altmark in Heeren ist das Haus Shvedyk gerade in Feierlaune. Am Abend zuvor wurde ein Produkt des kleinen Unternehmens mit einem Kulinarischen Stern des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet: die Pauerstoff Shiitake-Hanf-Brotjes.

Der Snack besteht aus Hanfsaat und frischem Shiitake. Der Pilzanteil beträgt 50 Prozent, verrät Vasyl Shvedyk und reicht uns Pauerstoff zum Probieren. Schmeckt gut!

Vor zwei Jahren kam ein Produkt aus Heeren in der Kategorie Feinkost und Konserven zu Sternen-Ehren. Es waren zu Antipasti verarbeitete Pilze.

Stendal, Heeren, Bio Edelpilze Altmark, Vasyl Shvedyk – Foto: Beate Ziehres

Zu den Ladenöffnungszeiten bietet Vasyl Shvedyk frische Pilze an.

Neben frischen Pilzen – darunter auch der Heilpilz Reishi – sind im Hofladen Pilzprodukte aller Art erhältlich. Die Familie Shvedyk hat für die eigenen handwerklich hergestellten Feinkostprodukte den Markennamen pylz. entwickelt. Die Lebensmittel aus selbst produzierten Rohstoffen kommen ohne Zusatz von künstlichen Aromen und Konservierungsstoffen aus. So stehen in den Regalen beispielsweise Köstlichkeiten wie Pilzöle und Pilzleberwurst.

Stendal, Heeren, Bio Edelpilze Altmark, Hofladen – Foto: Beate Ziehres

Auch selbstgemachte Pilzöle sind bei Bio Edelpilze Altmark im Angebot.

Für alle Leser, die gerne Pilze essen, habe ich ein raffiniertes Rezept aus Heeren mitgebracht und es auch gleich ausprobiert. Es schmeckt köstlich!

Rezept gefüllte Shiitake

Für ein Abendessen für zwei Personen benötigen Sie:

12 mittelgroße Shiitake (ohne Stiele)
Zitronensaft
Salz
Pfeffer

Zubereitung: Pilzhüte mit feuchtem Küchenkrepp abreiben, mit Zitronensaft beträufeln und mit Salz und Pfeffer leicht würzen.

Kräuterbutter zubereiten aus
65 gr. Butter, mit einer Gabel zerdrückt
1 große Knoblauchzehe, gepresst oder zerdrückt
Salz
1 Bund Petersilie, kleingehackt

Kräuterbutter auf die vorbereiteten Pilzhüte geben. Pilze in eine feuerfeste Form setzen und im vorgeheizten Backofen bei 200 °C etwa 10 bis 15 Minuten garen.

Dazu passen Stangenweißbrot und Salat.

Öffnungszeiten des Hofladens: Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr

Am „Faulen Samstag“ gibt es im Hofladen warme Edelpilz-Speisen, auch zum Mitnehmen. Die nächsten Termine sind der 31. August und der 28. September 2019, jeweils von 11 bis 14 Uhr.

Webseite Bio Edelpilze Altmark

Stendal, Heeren, Bio Edelpilze Altmark, Vasyl Shvedyk, Beate Ziehres – Foto: Sibylle Paetow

Vasyl Shvedyk, Gründer von Bio Edelpilze Altmark, hat Besuch. Foto: Sibylle Paetow

Essen gehen in Stendal

Warum nicht einfach mal andere kochen lassen? In den Küchen der Restaurants in Stendal kocht man deutsch, mediterran oder auch asiatisch. Während der Altmarkblogger-Tour habe ich zwei Restaurants kennengelernt. Und ein drittes Restaurant muss unbedingt Erwähnung finden, denn es wurde von Gourmets getestet und empfohlen.

Kutscherstube

Das Restaurant Kutscherstube am Markt in Stendal wurde in diesem Jahr erst neu eröffnet. Passend zum Namen gibt es rustikale Requisiten und Dekorationsobjekte. Doch im Grunde ist die Einrichtung modern und ansprechend, ebenso wie die Speisekarte. Die Auswahl klingt vielversprechend und mir fällt die Entscheidung nicht leicht.

Stendal, Kutscherstube – Foto: Beate Ziehres

Blick in die neu gestaltete Kutscherstube.

Weil sich die Spargelzeit dem Ende zu neigt, will ich das Edelgemüse noch einmal genießen. Deshalb bestelle ich Spargel mit gebratenem Zanderfilet. Meine Begleiter entscheiden sich für Cordon Bleu und Bauernfrühstück. Alles schmeckt gut und kann ohne Wenn und Aber weiterempfohlen werden. Auch Sonderwünsche wie die zweite Gurke zum Bauernfrühstück hat die Küche erfüllt.

Stendal, Kutscherstube, Spargel mit gebratenem Zanderfilet – Foto: Beate Ziehres

Spargel mit gebratenem Zanderfilet …

Stendal, Kutscherstube; Cordon Bleu – Foto: Beate Ziehres

… und Cordon Bleu.

Zum Essen gibt es ein original Stendaler Bier der Marke Taubentanz. Schließlich ist die Erinnerung an den vormittäglichen Besuch in der Stendaler Privatbrauerei noch lebendig. Ein frischer Genuss nach einem ereignisreichen Tag – herrlich!

In der Kutscherstube hat meine Genießertour durch Stendal einen gelungen Abschluss gefunden. Ich habe an diesem Abend keinen weiten Weg mehr vor mir, sondern genieße die Gastfreundschaft im Hotel Schwarzer Adler, zu dem die Kutscherstube gehört.

Déjà Vu Food Lounge

Montag Mittag in Stendal und der Magen knurrt. In dieser Situation fällt die Wahl auf die Déjà Vu Food Lounge. Die richtige Entscheidung, wie sich später herausstellen soll. Es vergeht nicht viel Zeit, und schon steht vor mir der bestellte Rucola-Salat mit Rindfleisch-Streifen. Pinienkerne, ein Balsamico-Dressing und geriebener Käse vervollständigen den italienisch angehauchten Genuss.

Stendal, Déjà Vu, Rucola-Salat mit Beef-Streifen – Foto: Beate Ziehres

In der Déjà Vu Food Lounge in der Stendaler Innenstadt habe ich einen Rucola-Salat mit Beef-Streifen probiert.

Im Déjà Vu sitzt man lässig in kleinen Ledersesseln und genießt die entspannte Atmosphäre. Durch die großen Fensterscheiben habe ich das Treiben in der Fußgängerzone Breite Straße in Sicht. Unterhaltsam und nett!

Atrium

Regionale Zutaten aus der Altmark werden im Restaurant Atrium in der Breiten Straße zu feinen Gerichten verarbeitet. Im Sommer stehen beispielsweise frische Pfifferlinge auf der Speisekarte. Daneben Entecôte vom Black Angus Rind oder Wolfsbarschfilet mit cremigem Tomaten-Risotto, gebratenen Pilzen aus der Altmark und grünem Spargel. Das Atrium ist im Restaurantführer Gault&Millau gelistet und hat 13 Punkte beziehungsweise eine Kochmütze erhalten.

In der warmen Jahreszeit trifft man sich hier zu Kaffee und Kuchen oder zum Essen im grünen Innenhof oder im Apfelgarten. Innen hat das Atrium, das Genießer aus der ganzen Region nach Stendal lockt, 30 Sitzplätze.

Stendal, Atrium – Foto: Beate Ziehres

Eingang des Atrium in der Breiten Straße

Museen, Kultur und Sehenswürdigkeiten in Stendal

Während einer Genießertour durch Stendal kommt auch der Kulturgenuss nicht zu kurz. In Stendal gibt es einige Museen. Das Winckelmann-Museum habe ich besucht. Außerdem laden in der Kreisstadt das Altmärkische Museum und das Landesfeuerwehrmuseum Sachsen-Anhalt ein.

Das Theater der Altmark hat ein eigenes Ensemble, das zu Gastspielen oft in der ganzen Altmark unterwegs ist. Hier haben einige bekannte Schauspieler ihre ersten Erfolge gefeiert, darunter „Derrick“ Horst Tappert. Tappert hatte sich beim Theater der Altmark eigentlich als Buchhalter beworben.

Ein Rundgang durch die Altstadt Stendals gleicht einer Reise in die Blütezeit der Hanse. Auf den Wegen der Backsteingotik können Sie Geschichte und Geschichten entdecken.

Winckelmann-Museum

Stendaler kennen das Winckelmann-Museum vielleicht noch als Kindermuseum. Doch inzwischen wurde das Museum neu konzipiert. Die Ausstellung präsentiert modern und sehr eindrücklich alles Wissenswerte rund um Johann Joachim Winckelmann.

Winckelmann ist ein Sohn Stendals. Er wurde 1717 als Sohn einer Schusterfamilie in einem kleinen Häuschen geboren, das an der Stelle des heutigen Museums stand. Sein Weg von der Grundschule über die Lateinschule bis hin zum Studium wird hier gezeigt. Denn für einen Schustersohn war es keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, eine höhere Schule zu besuchen. Doch das ist nicht der Grund, weshalb Winckelmann ein ganzes Museum gewidmet ist.

Stendal, Winckelmann-Museum, Ausstellung – Foto: Beate Ziehres

Einblicke ins Studentenleben Winckelmanns.

JoJo Winckelmann gilt als Begründer der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. In Rom stieg er zum berühmtesten Altertumswissenschaftler seiner Zeit auf. Seine Sicht auf die Antike beeinflusste Kunst und Architektur weltweit.

Die ständige Ausstellung im Erdgeschoss des mehrflügeligen Museumsgebäudes startet gleich mit dem Ende Winckelmanns. Er wurde im Alter von 51 Jahren in Triest ermordet.

Johann Wolfgang von Goethe schrieb über dieses finale Ereignis in Winckelmanns Leben:

„dass ein kurzer Schrecken, ein schneller Schmerz ihn von den Lebendigen hinweggenommen.“

Übrigens: Es war nicht der Gärtner, sondern ein Koch, der Winckelmann auf dem Gewissen hatte. Und er musste die Tat nicht lange mit sich herumschleppen. Der Mörder wurde gefasst und hingerichtet.

Stendal, Winckelmann-Museum, Ausstellung – Foto: Beate Ziehres

Das Museum thematisiert auch den Mord an JoJo Winckelmann.

Nicht nur im neuen Familienmuseum gibt es Exponate zum Ausprobieren und Anfassen. Museumsdirektorin Dr. Stephanie Bruer legt viel Wert auf Barrierefreiheit. So gibt es beispielsweise für Blinde und Sehbehinderte Tastmodelle. Und einen Aufzug sowieso.

Stendal, Winckelmann-Museum, Museumsleiterin Dr. Stephanie Bruer (links) und Sibylle Paetow von der LandLeute GbR – Foto: Beate Ziehres

Museumsleiterin Dr. Stephanie Bruer (links) erläutert die Ausgrabungen von Patara.

Die Stationen für Kinder bringen übrigens auch Erwachsene kurzweilig und amüsant der Antike und der Archäologie näher. Die antike Erlebniswelt mit vielen interaktiven Stationen fordert alle Sinne und macht Spaß. Wann haben Sie eigentlich zum letzten Mal Schattentheater gespielt? Im Winckelmann-Museum ist das möglich.

Stendal, Winckelmann-Museum, Schattenkino zum Mitmachen – Foto: Beate Ziehres

Im Schattentheater kann jeder zum Barden werden – macht einen Heidenspaß!

Stendal, Winckelmann-Museum, Ausstellung – Foto: Beate Ziehres

In den Ausstellungen des Winkelmann-Museums gilt es viel zu probieren und zu entdecken.

Im Außenbereich gibt es ein Archäologen-Camp, in dem die Kinder graben können. Auch  das riesige Trojanische Pferd wird im Garten wieder aufgebaut.

Öffnungszeiten Winkelmann-Museum: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Stendal, Winckelmann-Museum, Umbauarbeiten im Hof – Foto: Beate Ziehres

Der Hof des Wickelmann-Museums wird noch umgestaltet. Wenn alles fertig ist, soll hier das Trojanische Pferd wieder aufgebaut werden.

Sehenswürdigkeiten in Stendal

Um ein Gesamtbild von der Hansestadt Stendal zu bekommen, breche ich zu einem Stadtrundgang auf. Er beginnt auf dem Marktplatz. Der Anblick des Gebäudeensembles mit Rathaus, Gerichtslaube, Roland und der Marienkirche beeindruckt mich schon mal sehr. Hier ist noch heute der Reichtum der alten Hansestadt sichtbar. Das Marktplatzensemble soll zu den schönsten im norddeutschen Backsteinraum zählen.

Altmark, Stendal: Giebel des Rathauses und die Türme der St. Marien Kirche. Foto: Beate Ziehres

Giebel des Rathauses und die Türme der St. Marien Kirche in Stendal.

Vor der gotischen Gerichtslaube ist der steinerne Roland nicht zu übersehen. Die Figur ist mit 7,80 Metern Höhe der drittgrößte Roland Deutschlands. Das Original aus dem Jahr 1525 wurde bei einem schweren Sturm beschädigt. Deshalb sieht man heute eine originalgetreue Kopie aus dem Jahr 1974.

Stendal, Roland – Foto: Beate Ziehres

Der Roland in Stendal.

Die Marienkirche bildete den Kern der Hansestadt und zeugt noch heute vom Stolz und Reichtum der Stendaler Kaufleute. An der südlichen Außenwand der Backsteinkirche sieht man eine Sonnenuhr. Von der reichen Innenausstattung sind noch bedeutende Stücke vorhanden. Neben Altar, Kanzel und Taufbecken ist die funktionsfähige astronomische Uhr aus dem 16. Jahrhundert zu erwähnen. Uhren dieser Art findet man nur in Städten der Hanse. Leider habe ich es nicht geschafft, die Marienkirche von innen zu besichtigen. Das ist aufgehoben für meinen nächsten Besuch in Stendal.

Vorbei am Winckelmannplatz mit dem Winckelmann-Denkmal erreiche ich die Breite Straße. Die Fußgängerzone ist das innerstädtische Einkaufszentrum mit Geschäften, Restaurants, Eisdielen und Cafés – ein schöner Ort zum Verweilen.

Stendal, Breite Straße – Foto: Beate Ziehres

Die Breite Straße in Stendal.

In der Verlängerung der Breiten Straße befindet sich in der Straße Schadewachten das ehemalige Katharinenkloster mit dem Altmärkischen Museum und nebenan – nicht zu übersehen – das Tangermünder Tor.

Das aus Feld- und Backsteinen erbaute Tangermünder Tor ist ein Rest der ehemaligen Stadtbefestigung. Von hier aus kann man am Pulverturm vorbei ein Stückchen auf der Wallanlage spazieren.

Rechterhand erhebt sich nun die wichtigste und größte Kirche der Stadt: der Dom St. Nikolaus. Das heute zu sehende Bauwerk stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist ebenfalls der Backsteingotik zuzurechnen. Durch 22 kunstvoll bemalte, wertvolle Fenster aus dem späten Mittelalter zaubert die Sonne einzigartige Lichtspiele im Inneren des Gotteshauses. Der Dom beherbergt auch die größte Orgel der Altmark.

Stendal, Dom St. Nikolaus – Foto: Beate Ziehres

Stendal, der Dom St. Nikolaus.

Ich laufe weiter auf dem Westwall, komme an ehemaligen Klöstern und weiteren Kirchen vorbei zum prachtvollen Uengelinger Tor. Das Uengelinger Tor soll der schönste spätmittelalterliche Eintorturm im Gebiet der Backsteingotik sein und vergleichbar mit dem Lübecker Holstentor.

Altmark, Stendal: das Uengelinger Tor. Foto: Beate Ziehres

Stendal: das Uengelinger Tor.

Durchs Alte Dorf, den ältesten Siedlungsteil der Stadt, komme ich wieder zur Breiten Straße und spaziere zurück zum Ausgangspunkt meines Rundgangs: dem Marktplatz.

Kurioses aus der Hansestadt

  • Wohnen hinter Gittern: Das alte Gefängnis direkt neben dem Gerichtsgebäude wurde zu Wohnungen umgebaut.
  • 41 Jahre kreisfreie Stadt: 1909 schied Stendal aus dem Landkreis Stendal aus, ein eigener Stadtkreis entstand. 1950 wurde die Stadt wieder dem Landkreis zugeordnet.
  • Hansestadt auf Wunsch der Bürger: In einer Bürgeranhörung stimmten 2009 78 % der Einwohner dafür, dass Stendal in Hansestadt Stendal umbenannt wird.

Die Altmarkblogger des Jahres 2017, Monika und Petar Fuchs, haben detailliert über Stendal und die Sehenswürdigkeiten der Hansestadt geschrieben.  Hier ist ihr Bericht.

Vielen Dank an die Lokale Leader Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe, die mich zu dieser Recherche-Reise in die Altmark eingeladen und den Besuch vorbereitet hat. Als Altmarkbloggerin habe ich ein Honorar erhalten. Meine Meinung bleibt trotzdem meine eigene.

Über den Autor:

Beate ist hauptberufliche Bloggerin und Journalistin. Auf diesem und auf anderen Blogs zeigt sie Ihnen die Welt, wie sie ihr gefällt. Im Sommer ist sie gerne mit dem Motorrad, dem Cabrio oder auf irgendwelchen Booten unterwegs. Im Winter zieht es sie in wärmere Gefilde. Deshalb testet sie auch leidenschaftlich Thermalbäder, Saunen und andere Wellnesstempel.

Hinterlassen Sie einen Kommentar