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Schönhausen im Elb-Havel-Winkel: 4 Sehenswürdigkeiten

Eigentlich bin ich des Essens wegen in den Elb-Havel-Winkel gefahren. Als Küchenspion wollte ich erfahren, wie Marcus Wagener die altmärkische Spezialität Rinderschmorbäckchen zubereitet. Doch schon kurz nach der Überquerung der Elbe bei Tangermünde fällt mir ein friedliches Dorf auf: Schönhausen.

Wie der Zufall es will, lerne ich in der Küche der Gaststätte „Stadt Braunschweig“ Jenny Freier kennen. Das Beste: Die Tourismusmanagerin der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land zeigt mir nach dem Essen die Sehenswürdigkeiten Schönhausens.

1. Schloss Schönhausen I – Geburtshaus Ottos von Bismarck

Jawohl, Sie vermuten richtig: Schönhausen war früher tatsächlich Standort zweier Schlösser. Oder, um es treffender auszudrücken, zweier Gutshäuser. Beide Häuser gingen auf die Familie von Bismarck zurück. Wir stehen an der Stelle, an der um das Jahr 1700 Schloss Schönhausen I fertiggestellt wurde. In dem prächtigen Haus, von dem nur noch die Fundamente zu erkennen sind, wurde 1815 Otto von Bismarck geboren.

Nur noch die Fundamente lassen die Größe noch Schloss Schönhausen I erahnen – Foto: Beate Ziehres

Nur noch die Fundamente lassen die Größe noch Schloss Schönhausen I erahnen – Foto: Beate Ziehres

Otto war wohl der erfolgreichste Spross der von Bismarcks, zumindest politisch gesehen. Er war Ministerpräsident des Königsreichs Preußen, Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes und erster Kanzler des Deutschen Reichs. Dies mag Grund für die DDR-Führung gewesen sein, Bismarcks Geburtshaus 1958 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu zerstören.

Im Bismarckpark, Schönhausen/Elbe – Foto: Beate Ziehres

Im Bismarckpark, Schönhausen/Elbe – Foto: Beate Ziehres

Zum Rittergut zählte auch der Bismarckpark, der heute noch die barocke Pracht der gesamten Anlage erahnen lässt. Die nachträglich hier aufgestellten Kanonen sind laut Jenny französische Beutekanonen und ein Geschenk Kaiser Wilhelms an Bismarck.

Die Kanonen im Bismarckpark in Schönhausen – Foto: Beate Ziehres

Die Kanonen im Bismarckpark in Schönhausen – Foto: Beate Ziehres

Berühmtheit hat eine Herkules-Statue aus Sandstein am Parkeingang erlangt. Der von erfolgloser Jagd zurückkehrende Hausherr soll Herkules vor Wut eine Ladung Schrot in den Hintern gepfeffert haben. Wer genau hinschaut, kann die Spuren des Schusses noch erkennen.

Heute liegt das Anwesen friedlich in der Sonne. Ich lasse die Ruhe und die Schönheit der Landschaft mit den hohen Bäumen auf mich wirken, bevor wir den einzigen erhalten gebliebenen Flügel des Gutes betreten: das sogenannte Torhaus.

2. Bismarck-Museum Schönhausen

Das Gebäude mit dem runden Treppenhausturm bliebt im Jahr 1958 verschont, weil es seinerzeit von Privatleuten bewohnt wurde. Heute dreht sich im Torhaus alles um Otto von Bismarck. Eine Art Kuriositätensammlung, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in Schloss Schönhausen II untergebracht war, ist seit 1998 hier beheimatet.

Das Bismarck-Museum im Torhaus von Schloss Schönhausen I – Foto: Beate Ziehres

Das Bismarck-Museum im Torhaus von Schloss Schönhausen I – Foto: Beate Ziehres

Den Grundstock des Museums legte Otto von Bismarck selbst. Anhand einer Sammlung von Geschenken aus allen Schichten der Bevölkerung wollte der alte Herr dokumentieren, wie beliebt er war. So wird ein Halsband für die Reichshunde gezeigt, eine Igelmütze und ein Bierseidel mit aufklappbarer Pickelhaube. Auch Bierfässer und Bierfassböden müssen seinerzeit beliebte Geschenke gewesen sein.

Beim genauen Hinschauen erschließen sich den Besuchern viele Geschichten. Oder hätten Sie gewusst, dass Otto von Bismarck der Namensgeber der Bismarck-Heringe ist? Der Regent bestellte die Fische fässerweise in Stralsund, um abzunehmen. Die gezeigte Originaluniform lässt vermuten, dass dies keine schlechte Idee war.

Das Anliegen der Otto-von-Bismarck-Stiftung, die das Museum betreut, ist ein durchaus ernstes. Sie will verdeutlichen, dass die Wirkung von Bismarcks Politik bis in die Gegenwart spürbar ist. Die Ausstellung soll zum Verständnis der Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert beitragen. So wendet sich das Ensemble historischer Stätten in Schönhausen als außerschulischer Lernort insbesondere an Schüler.

Ich hätte mich gerne noch ein wenig im Museum umgeschaut, doch in der Nachbarschaft wartet schon Pastor Ralf Euker auf uns.

Das wuchtige Westwerk der Kirche St. Marien & Willebrord in Schönhausen/Elbe – Foto: Beate Ziehres

Das wuchtige Westwerk der Kirche St. Marien & Willebrord in Schönhausen/Elbe – Foto: Beate Ziehres

3. Die romanische St.-Marien-&-Willebrord-Kirche zu Schönhausen

Ralf Euker ist Pfarrer der St.-Marien-&-Willebrord-Kirche, einem für eine Dorfkirche absolut überdimensionierten Gotteshaus. Doch auch hier sind wir weiter auf den Spuren der von Bismarcks. Der Innenraum, der im 30jährigen Krieg zerstört und danach im Barockstil neu eingerichtet wurde, trägt die Handschrift der Familie.

Schönhausen: In der Loge rechts hatte die Familie Bismarck ihre Plätze – Foto: Beate Ziehres

Schönhausen: In der Loge rechts hatte die Familie Bismarck ihre Plätze – Foto: Beate Ziehres

Seit der Reformation ist das Gotteshaus eng mit den Eigentümern von Schönhausen verbunden. Im Taufbecken, das aus der Entstehungszeit der Kirche stammt, wurde im zarten Alter von fünf Monaten auch Otto von Bismarck getauft.

Schönhausen: In diesem Taufbecken wurde Otto von Bismarck getauft – Foto: Beate Ziehres

Schönhausen: In diesem Taufbecken wurde Otto von Bismarck getauft – Foto: Beate Ziehres

Im Video erzählt Pfarrer Ralf Euker, wer die Kirche erbaut hat, wie sie zu ihrem Namen kam und wie Besucher das Gotteshaus heute auf ganz moderne Art und Weise entdecken können.

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Last but not least machen wir einen Abstecher ins Rathaus der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land. Und – wer hätte das gedacht – die von Bismarcks sind wieder dabei.

Das Rathaus der Gemeinde Schönhausen – Foto: Beate Ziehres

Das Rathaus der Gemeinde Schönhausen – Foto: Beate Ziehres

4. Schloss Schönhausen II – heiraten in historischem Ambiente

Das Gut Schönhausen II entstand ab 1729 unter der Regie von August II von Bismarck. Während der DDR-Zeit wurde das Schloss in eine Grundschule verwandelt. In den ehemaligen Park, der mit dem Park von Schloss I eine Einheit bildete, baute man eine Schulturnhalle.

Nach der Wende zog die Gemeindeverwaltung in das historische Bauwerk, die Turnhalle wurde abgerissen und der Park wieder hergestellt. Zumindest soweit möglich.

Tipp: Das Trauzimmer ist wohl der repräsentativste Raum im ganzen Rathaus. Die hohen Fenster und Türen öffnen sich zum Park hin. So bezaubert das stilvolle Zimmer nicht nur durch die schöne Atmosphäre, sondern sogar im Winter durch die Aussicht. Wenn Sie sich nicht gleich das Jawort geben wollen, lässt Sie auf Anfrage vielleicht ein Mitarbeiter der Verwaltung einen Blick in das Schmuckstück werfen.

Die wichtigsten Öffnungszeiten in Schönhausen

Das Bismarck-Museum hat Dienstag bis Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Die romanische Kirche St. Marien & Willebrord liegt direkt neben dem Bismarck-Museum und ist nicht zu übersehen. Sie ist im Sommer dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet und an Sonntagen von 11.30 bis 17 Uhr. Reisegruppen sollten sich anmelden.

 

 

2018-10-29T00:46:50+00:00Von |Deutschland|0 Kommentare

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