(Werbung) Ein weißer Van mit abgedunkelten Scheiben fährt an der Fumba Beach Lodge vor. Wir steigen ein, bereit für das Abenteuer „Dorfleben auf Sansibar“. Für einen Nachmittag kehren wir dem Strand, dem türkisfarbenen Meer und den fotogen vorbei gleitenden Dhows den Rücken. Der Fahrer lenkt den Wagen in den Süden der Insel Unguja – nach Muungoni.
Inhalt
- Muungoni – ein ganz normales Dorf auf Sansibar
- Tourismus auf Sansibar – zwischen Luxusresorts und lokalem Leben
- Die Muungoni Village Tour – dich erwarten authentische Einblicke in Tansania
- Nachhaltigkeit: Die Muungoni Community Tour ist mehr als Sightseeing
- Praktische Informationen zur Buchung der Muungoni Community Tour
- Muungoni als besondere Empfehlung für nachhaltig denkende Besucher Sansibars
- Weitere besondere Sansibar-Erlebnisse
- Lohnenswerte Ausflüge zum Festland Tansanias
Muungoni – ein ganz normales Dorf auf Sansibar
Muungoni liegt abseits der Touristenzentren wie Nungwi, Paje oder Jambiani und fern der gängigen Reiserouten. In einem dschungelartigen Wald hält der Fahrer nach etwa einer Stunde Fahrzeit an. Wir befinden uns auf der Hauptinsel des Sansibar-Archipels vor der Küste Tansanias. Der offizielle Name der Insel – Unguja – ist kaum jemanden bekannt.
Unguja ist mit etwas mehr als 1600 Quadratkilometern die größte Insel des Archipels. Neben bekannten touristischen Anziehungspunkten beheimatet Unguja auch zahlreiche traditionelle Dorfgemeinschaften. Muungoni ist eines dieser Dörfer, und ein gut verstecktes noch dazu – ein Hidden Gem, wie man zu sagen pflegt.
Um Alltag, Lebensweise und Kultur der Menschen in diesem Dorf – stellvertretend für viele ähnliche Orte auf Sansibar – kennenzulernen, haben wir die Muungoni Community Tour bei Village Adventures gebucht.

Häuserreihe an der Durchgangsstraße. Alle Häuser verfügen über eine Art überdachte Terrasse neben der Haustür, auf der man sich niederlässt, beispielsweise um Besuch zu empfangen.
Tourismus auf Sansibar – zwischen Luxusresorts und lokalem Leben
Uns war klar, dass wir das touristische Gebiet am Meer und unser Hotel würden verlassen müssen, um das wahre Leben auf Sansibar kennenzulernen. Eigentlich sollte man meinen, dass internationale Hotelketten und steigende Besucherzahlen Reichtum auf die tropische Trauminsel bringen. Nicht umsonst gilt Sansibar als „Mallorca des Winters“, denn in den Monaten Dezember bis Februar herrschen optimale Bedingungen für einen Badeurlaub.
Doch auch auf Sansibar zeigt sich – ähnlich wie am Ballermann – die hässliche Kehrseite des Massentourismus: die lokale Bevölkerung wird verdrängt, die Einkommensungleichheit wächst. Sansibar zählt laut Weltbank zu den ärmsten Regionen Tansanias. Vor diesem Hintergrund stellt Community-based Tourismus ein nachhaltiges Gegenmodell dar.

Das Fahrrad zählt zu den beliebtesten und praktischsten Fortbewegungsmitteln in der weitläufigen Siedlung. Foto: Ruth Bauer
Die Muungoni Village Tour – dich erwarten authentische Einblicke in Tansania
In Muungoni sind wir mit Ramadan, kurz Rama, verabredet. Doch wir sind eine halbe Stunde zu früh, weshalb am vereinbarten Treffpunkt niemand auf uns wartet. Unser Fahrer bringt schnell in Erfahrung, dass Rama noch in der Moschee beim Beten ist. Da sehen wir bereits, wie 50 Meter weiter zahlreiche Gläubige auf die Straße strömen – ein Mann kommt direkt auf uns zu: Rama. Er lebt seit vielen Jahren im Schoß der Großfamilie seiner Mutter im Dorf, hat das Community-Projekt initiiert und die Tour mit echtem Gemeinschaftsgedanken entwickelt.

Willkommen in Muungoni, sagt unser Guide Ramadan.
Dorfrundgang – Begegnung mit dem Alltag
Wir folgen Rama in das satte, alles überwuchernde Grün und sind unversehens mitten im Dorfleben gelandet. Denn der vermeintliche Dschungel ist der Garten der Dorfbewohner. Wie in einer Musteranlage der Permakultur wachsen hier auf mehreren Ebenen exotische Früchte und ebensolche Gemüsearten – die Lebensgrundlage der Dorfbewohner.

Die Bananenstauden liefern nicht nur Schatten und Baumaterial, sondern auch leckere Früchte.

Fotogenes Arrangement: Im Laden präsentiert die Geschäftsfrau Gemüse aus dorfeigenem Anbau.

Mit dem Verkauf von selbstgezogenen Pflanzen erwirtschaften die Bewohner von Muungoni etwas Geld.
Auch die Häuser bestehen aus Materialien, die der Boden und der Wald liefern: Aus Korallenstein – aus diesem Gestein bestehen alle Inseln des Sansibar-Archipels – und Lehm errichten die Bauwilligen unter Zuhilfenahme von Holzstämmen stabile Mauern. Die Dächer bestehen traditionell aus Makuti, also Palmwedeln.
Übrigens verlassen junge Männer im Alter von etwa 14 Jahren das elterliche Wohnhaus. Meist bauen sie in der unmittelbaren Nachbarschaft ein kleines, eigenes Haus, das nur aus einem Raum zum Schlafen besteht. Später bauen sie dann ein größeres Haus für ihre zu gründende Familie.

Gebäude mit traditioneller Dachbedeckung.

So baut man in Muungoni aus vorhandenem Material.

Typisches Haus mit eingezäuntem Hof.
Eintauchen und ausprobieren – das ist die Devise in Muungoni
Auf unserem Weg durch Muungoni treffen wir immer wieder Menschen, die uns Einblicke in ihren Alltag gewähren. Eine Frau führt uns beispielsweise in die traditionelle Verarbeitung von Kokos-Palmwedeln ein. Und die Gäste sind immer eingeladen, sich selbst zu versuchen.
Kneifen wäre feige. Deshalb probieren wir die Herstellung von Dachmatten aus, das Flechten von Grasmatten – den traditionellen Schlafunterlagen der Bewohner – und die Seilerei.

Ruth lässt sich in die Kunst des Flechtens einweihen. Auf diese Weise entstehen in Muungoni aus Gras Taschen oder auch Schlafmatten.

Die traditionellen Dachmatten werden aus Palmwedeln geflochten.

Trotz Nachhilfe: Das Seilen hat nicht geklappt. Setzen. Achso, ich sitze ja schon. Foto: Ruth Bauer
Unsere handwerklichen Versuche werden von den Dorfkindern wohlwollend beobachtet. Fairerweise unterdrücken sie – zumindest an dieser Stelle – das Lachen. Ob wir am gemeinsamen Dorfbrunnen vorbei spazieren, in einem eingezäunten Garten selbstgezogene Jungpflanzen bestaunen oder über den Hof der Dorfschule marschieren – immer folgt uns eine übermütige Kinderschar, die ab und zu von Rama im liebevollen Ton zurechtgewiesen wird.
Ein Highlight ist übrigens das Aus- und Anprobieren von Kanga-Kleidern. Viele Frauen tragen hier kunstvoll gewickelte Kleider aus Kangas, also bunt bedruckten Tüchern. Ich erfahre, dass die Tücher passend zum Anlass gewickelt werden: luftig mit Bewegungsfreiheit nach allen Seiten für die Hausarbeit, praktisch und solide zum Ausgehen an einem Alltag oder kunstvoll elegant zu Festtagen.

Kanga-Schick. Sieht im Moment ganz einfach aus, ist es aber nicht. Foto: Ruth Bauer

Waschtag auf Sansibar: Auf der Leine trocknen die Kangas.
Ich muss gestehen, dass ich zwar aufgepasst habe, es mir aber hinterher trotzdem nicht gelungen ist, mein Kanga so zu wickeln, dass es weiter als zehn Schritte hält. Vielleicht produzieren die Damen mal ein Tutorial und laden es auf Youtube hoch. Das wäre hilfreich!
Einblicke in die Swahili-Küche: frisch und regional
Je später der Tag in Muungoni, desto mehr Feuer werden in den offenen Küchen entfacht. Überall köchelt es in den Töpfen und leckere Düfte mischen sich mit dem Geruch der Holzfeuer. Es ist Ramadan und die Vorbereitungen für das allabendliche Fastenbrechen laufen auf Hochtouren.

Am Nachmittag köchelt es in Muungoni auf allen Feuerstellen.

Hier kocht Kürbis für das Abendessen.
Die Familien werden das Abendessen auf dem Boden sitzend gemeinsam in großer Runde einnehmen. Eine typische Swahili-Mahlzeit enthält Fisch aus einheimischen Gewässern, unterschiedlich zubereitete Kochbananen, Gemüse und Reis. Alle Zutaten stammen aus den Gärten von Muungoni und sind entsprechend frisch.
Die Gastgeber gewähren uns natürlich auch Einblicke in die authentische Swahili-Küche. Ich probiere mich im Topa-Schälen (kartoffelähnlich, aber irgendwie härter) und im Ausschaben einer Kokosnuss. Dafür haben die Frauen ganz spezielle Hocker mit einem integrierten scharfen Schaber und ich höre viele Ermahnungen, unbedingt vorsichtig zu sein. Aber: Alles gut gegangen. Hakuna Matata, wie man auf Swahili sagt. Das Öffnen der Kokosnuss ist übrigens noch schwieriger und reine Männersache.

Kokosnüsse knacken ist Männerarbeit.

So werden Topas geschält.
Naturerlebnis Mangroven – eine Tour abseits der Touristenpfade
Als die Sonne tiefer sinkt, holt Rama zwei Holzpaddel, einen Hocker und eine Tasche – Zeit für die Fahrt mit dem traditionellen Holzkanu durch die Mangroven. Durch den dichten Dschungel marschieren wir in Richtung Lagune. Hier und da hält Rama an, um uns Heilpflanzen zu zeigen und ihre Wirkung zu erklären.
Am Wasser angekommen manövriert Rama ein am Baum vertäutes Boot ans Ufer, damit wir einsteigen können. Auf einem Meeresarm, der wie ein Fjord tief ins Land hineinreicht, fahren wir zügig mit der auflaufenden Flut bis zu einem schmalen Wasserweg, der uns mitten hinein bringt in die Wunderwelt der Mangroven.
Es ist ein grüner Blätterwald, in dem eine ganz eigenartige, mystische Stimmung herrscht. Die Strömung ist hier nur ganz leicht zu spüren, trotzdem ist Rama mit dem Manövrieren im dichten Gebüsch gut beschäftigt.

Die Wunderwelt der Mangroven im warmen Licht des Spätnachmittags.
Hier teilen sich Meeres- und Landorganismen ein und denselben Lebensraum. In den Ästen und im Laub der Bäume und Sträucher sind landlebende Organismen zuhause sind, im dichten Wurzelgeflecht fühlen sich Meeresbewohner wohl. Mangroven sind Laichgebiete und die Kinderstube für Fische, Krebse und Garnelen. Außerdem halten Mangrovenwälder Flutwellen von menschlichen Siedlungen an der Küste fern.
Selbst im dämmrig-warmen Licht der Mangroven entgeht uns nicht, dass die Sonne tiefer sinkt. Es ist aufregend, in dieser surrealen Welt unterwegs zu sein, kleine schwarze Krebse an den Ästen knapp über der Wasserlinie zu entdecken und den lauten Schreien exotischer Vögel zu lauschen. Als Rama uns die frische Kokosmilch einer mitgebrachten Nuss anbietet, sagen wir nicht nein. Welch eine köstliche Erfrischung, erst recht in dieser Umgebung!

Gegen den Strom der auflaufenden Flut zurück zum Dorf.

Still ruht die Lagune im Abendlicht. Foto: Ruth Bauer

Rama reicht eine willkommene Erfrischung: das Wasser der Kokosnuss.
Unter dem dramatischen Himmel, den die untergehende Sonne zaubert, gleiten wir zurück ins Dorf. Hier laufen die letzten Vorbereitungen für die Nacht. Während die Männer zur Moschee eilen, wird hier ein Baby gebadet und dort erhält das Essen den letzten Schliff.
Unvergesslich – unser Besuch im Süden der Hauptinsel Unguja
Die Zeit in Muungoni neigt sich dem Ende zu. Wir verabschieden uns von Rama, nicht ohne ihm und all den Menschen, die wir kennenlernen durften, alles Gute zu wünschen und eine kleine Spende dazulassen. Rama hat uns ihre Geschichte näher gebracht, von ihren Sorgen berichtet und erzählt, was sie für die Zukunft planen.

Im Schatten der Bananenstauden lässt sich gut plaudern.
So möchte unser Guide den Besuchern die Vielfalt der Mangroven durch einen kleinen Waldspaziergang bei Ebbe noch eindrucksvoller vermitteln. Zudem träumt er davon, ein Gästehaus zu bauen, das auch Übernachtungen im Muungoni Village erlaubt.
Es ist dunkel geworden auf dem Weg zurück. Die Straßen sind zum Leben erwacht, an den Verkaufsständen am Straßenrand herrscht jetzt reges Treiben. Unser Fahrer hält an, um Wasser zu kaufen. Er bringt uns nicht nur etwas zu trinken mit, sondern auch Bananen – eine willkommene Köstlichkeit. Gedankenverloren blicken wir aus dem Fenster, nehmen die Szenen, die vorbeifliegen, kaum wahr. Unsere Köpfe sind noch in Muungoni, bei den Menschen und ihrem alltäglichen Überlebenskampf auf der tropischen Trauminsel.
Nachhaltigkeit: Die Muungoni Community Tour ist mehr als Sightseeing
Ein Besuch in Muungoni ist keine klassische Besichtigung, die man konsumiert wie ein gutes Mittagessen. Hier geht es darum, in das Dorfleben einzutauchen, die Menschen und ihren Alltag kennenzulernen – das Lernen steht im Fokus dieser Erfahrung.
Die Einnahmen kommen direkt der Dorfgemeinschaft zugute oder fließen beispielsweise in die Dorfschule. Der Ertrag aus dem touristischen Angebot hat positive Auswirkungen in einer Gemeinschaft, die nur wenig Möglichkeiten hat, Geld zu verdienen. So kann der Tourismus als Bildungs- und Entwicklungsmotor wirken.

In Muungoni wird alles verwertet: Aus der Schale einer Kokosnuss und einem dicken Schilfrohr wurde eine Kelle.

Die Frauen verdienen in Muungoni Geld mit der Köhlerei – eine der wenigen Einnahmequellen.
Praktische Informationen zur Buchung der Muungoni Community Tour
- Anbieter: Village Adventures
- Buchung: online über https://village-adventures.com/
- Sprache: englisch
- Anreise: rd. 30 Minuten mit dem Taxi ab Paje, rd. 60 Minuten mit dem Taxi ab Fumba
- Dauer: 4 bis 5 Stunden
- Highlights: Dorfrundgang, Mangroventour mit dem Kanu, Swahili-Küche
- Übernachtung: Optional (aktuell begrenzt verfügbar)
Die besten Tipps für die Vorbereitung:
- Leichte, bedeckende Kleidung (kultureller Respekt und Schutz vor Insekten im Mangrovenwald)
- Kopfbedeckung und Sonnencreme
- Leichte, geschlossene Schuhe, in denen du gut laufen kannst; evtl. Badeschuhe für die Kanutour
- Kleine, idealerweise wasserfeste Tasche für Wasser und das Notwendigste
- Einheimische freuen sich über ein paar Worte Swahili (z. B. Habari = Wie geht’s?, Asante = Danke)

Mit Rama unterwegs im Wald, der Muungoni umgibt.
Muungoni als besondere Empfehlung für nachhaltig denkende Besucher Sansibars
Ein Besuch in Muungoni ist ideal für Urlaubsgäste, die sich für das Leben der Einheimischen an ihrem Urlaubsort interessieren – abseits von Strand, Pool und Hotel – und Englisch verstehen.
Die Tour ist nicht barrierefrei, eine gewisse Grundkondition ist erforderlich. Hohe Tagestemperaturen und Luftfeuchtigkeit sollten bei der Vorbereitung bedacht werden – man befindet sich durchgängig im Freien.
Wer sich auf die Menschen in Muungoni einlässt, wird authentisches Leben in Ostafrika kennenlernen, bleibende Eindrücke sammeln und – so wie ich – überwältigt sein von Swahili- Gastfreundschaft.

Friedlicher Nachmittag in Muungoni: Während unser Begleiter in der Moschee betet und die Kinder spielen, ist Zeit für eine erste Sichtung des Bildmaterials.
Weitere besondere Sansibar-Erlebnisse
- Chumbe Island: nachhaltiger Luxus und Meeresschutz
- Seaweed Farming Sansibar: Frauen & nachhaltige Wirtschaft
- Stone Town: UNESCO-Weltkulturerbe und Swahili-Architektur
- Gewürzfarm
- Schnorcheln vor Kwale Sandbank
- Entspannen in der Fumba Beach Lodge
Lohnenswerte Ausflüge zum Festland Tansanias
- Ngorongoro-Krater
- Serengeti Nationalpark
- Tarangire Nationalpark
Alle Fotos, sofern nicht anders angegeben: Beate Ziehres
Offenlegung: Village Adventures hat die Recherche in Muungoni unterstützt und ein Honorar gezahlt. Der Beitrag gibt trotzdem unsere ehrlichen Erfahrungen und Erlebnisse wieder. Vielen Dank für die Idee und die angenehme Zusammenarbeit an Isabel Gruß, Gründerin und Geschäftsführerin von Village Adventures.
Hinterlasse einen Kommentar