Stell dir vor, du stehst am westlichsten Punkt Europas. Der frische Wind weht dir durch die Haare, und vor dir breitet sich nichts aus als der endlose Atlantik. Willkommen auf der Dingle Halbinsel im County Kerry im Südwesten Irlands!

Während viele Irland Urlauber nur den Ring of Kerry ansteuern, wissen wir nach der letzten Reiseblogger WG jetzt: Die Dingle Halbinsel im Südwesten darf man als Besucher gar nicht auslassen. Sie ist Teil des Wild Atlantic Way. Vielleicht der Schönste.

Die Dingle Peninsula bietet euch unter anderem den Inch Beach. Einen Sandstrand, gleich im ersten Abschnitt der Halbinsel. Es bieten sich euch – ganz irlandtypisch – Landschaften, die so dramatisch sind, dass selbst Hollywood nicht widerstehen konnte (ja, Star Wars Fans, ihr seid hier richtig!).

Der Inch Beach in Dingle

Der Inch Beach im Abendrot.

In diesem Artikel nehme ich dich mit auf einen kurzen Roadtrip über die Halbinsel Dingle. Es soll dir einen Vorgeschmack bieten, denn diese Tour zu den Sehenswürdigkeiten der Dingle Halbinsel solltest du unbedingt selber machen.

Ja, das ist nicht die richtige Reihenfolge, aber erst einmal geht es zum

Slea Head Drive: Die schönste Einbahnstraße der Welt

Slea Head Drive Schild

Hier geht es zum Slea Head Drive.

Der Slea Head Drive ist für mich das absolute Highlight jeder Dingle-Reise (und mittlerweile hatte ich einige davon.). Vergiss erstmal den Rest des Wild Atlantic Ways; diese 38 Kilometer lange Panoramaroute (manchmal auch eher 47 km, je nachdem, von wo du startest) ist eine wunderbare Achterbahnfahrt für die Sinne. Die Straße klammert sich förmlich an die Klippen, Wiesen und Felder und bietet hinter jeder Kurve einen neuen „Wow“-Moment.

Kleiner Tipp: Fahre die Route unbedingt im Uhrzeigersinn! Die Straße ist eng, und wenn du gegen den Strom der Reisebusse schwimmst, wird aus dem entspannten Roadtrip schnell ein Rückwärtsgang-Abenteuer, auf das du verzichten kannst. Ich bin nicht so sicher, ob es die vorgeschriebene Fahrtrichtung ist, und es somit auch offiziell eine Einbahnstraße ist, aber glaub mir: Es ist besser, sie im Uhrzeigersinn zu fahren.

Oldtimer in Dingle Town

Mein Mietwagentipp: Garantiert mit viel Stil durchs Land fahren!

Unterwegs auf der Dingle-Halbinsel wirst du immer wieder anhalten wollen. Zum Beispiel am Coumeenoole Beach. Dieser Strand, nahe Dunmore Head, ist absolut nicht zum Schwimmen geeignet, da die Strömungen ziemlich tückisch sind, aber für Fotos ist er ein Traum. (Wobei dass dann gleich ein Eigentor ist, denn wir waren so fasziniert, dass wir nicht ein einziges Fotos gemacht haben.)

Dramatische Felsen, peitschende Wellen – hier spürst du die volle Wucht des Atlantiks. Kein Wunder, dass Szenen für den Filmklassiker „Ryans Tochter“ genau hier gedreht wurden.

Die Great Blasket Island ist die größte der ehemals 5 bewohnten Inseln vor Dunmore Head. Nicht ganz freiwillig wurden die letzten 22 Einwohner von der irischen Regierung 1954 zwangsevakuiert und zu Festländern gemacht.

blick auf die blasket inseln

Im Hintergrund ein paar der Blasket Inseln

Ihr könnt übrigens Ferienhäuser dort buchen, um vielleicht mal hineinzufühlen in das etwas zivilisationsferne Leben, was die Bewohner damals wohl geführt haben. Wollt ihr die Insel einfach nur mal besuchen, dann fährt vier mal am Tage eine Fähre.

Wo wir vorhin schon bei Drehorten waren: Ein paar Meilen später, nahe Smerwick, findet ihr den Drehort vor Star Wars. Episode VIII. Den Film zu schauen, wenn man den Ort gesehen hat, oder den Ort zu sehen, wenn man den Film gesehen hat, ist ein schönes Erlebnis.

Zeitreise in Stein: Gallarus Oratory und die Beehive Huts

Dingle ist wie ein riesiges Freilichtmuseum: Automatisch kommt ihr auf der Straße an den Fahan Bee Hive Huts vorbei. Diese „Bienenkorbhütten“ wurden im Frühmittelalter von Mönchen gebaut. Es ist schon verrückt, sich vorzustellen, wie Menschen hier vor Jahrhunderten in diesen winzigen Steinkuppeln lebten, den Elementen trotzten und den Blick auf den Ozean als ihr tägliches Fernsehprogramm hatten.

Dann, viele Kilometer und Eindrücke weiter, das Gallarus Oratory. Die kleine Kirche sieht aus wie ein umgedrehtes Boot und steht seit mittlerweile über 1000 Jahren dort – ohne Mörtel, errichtet Stein auf Stein.

Sie ist aber so wasserdicht, dass es drinnen selbst bei gutem irischen Regen trocken bleibt. Eine Legende besagt, dass jeder, der durch das winzige Fenster klettert, einen Platz im Himmel sicher hat. Aber Vorsicht: Es ist wirklich eng, und die Parkwächter sehen das heute gar nicht mehr gerne.

Deswegen sei euch an dieser Stelle verraten: Nach einstimmiger Meinung in Irland reicht es schon, wenn ihr nur den Arm oder die Hand durchstreckt.​

Star Wars und das Ende der Welt

Wusstest du, dass Luke Skywalker hier auf der Dingle Peninsula sein Exil verbrachte? Am Ceann Sibéal (Sybil Head) wurden Szenen für Star Wars: Die letzten Jedi gedreht. Die alten Jedi-Tempel wurden zwar nach dem Dreh wieder abgebaut, aber die Landschaft ist noch genauso episch. Wenn du dort stehst, erwartest du fast, dass der Millennium Falke über die Klippen zischt.

Ganz in der Nähe liegt der Dunquin Pier (Dun Chaoin). Ein beliebtes Postkartenmotiv: Eine schmale, kurvige Betonrampe führt steil hinunter zum Meer, eingerahmt von schroffen Felsen. Von hier aus legen die oben erwähnten Fähren zu den Blasket Islands ab.

Connor Pass: Nichts für schwache Nerven

Wenn der Slea Head Drive das Pflichtprogramm ist, dann ist der Connor Pass die Kür für Mutige. Es ist der höchste Gebirgspass Irlands, der mit dem Auto befahrbar ist. Die Straße windet sich von Dingle Town hinüber zur Brandon Bay und bietet Ausblicke, die dir den Atem rauben – manchmal auch vor Angst, wenn der Gegenverkehr etwas zu stark ist.

Oben auf der Passhöhe (auf etwa 410 Meter) angekommen, fühlst du dich wie der König der Welt. Nur ohne Boot. Auf der einen Seite siehst du die sanften Buchten des Südens, auf der anderen die raue, wilde Nordküste mit zahlreichen Bergseen. Die Straße hinunter nach Cloghane ist eng, kurvig und absolut spektakulär. Ein echtes Abenteuer, das in keinem Roadtrip fehlen darf.

Dingle Town: Bunte Häuser und ein berühmter Delfin

Fungie, der Delfin aus Dingle

Der berühmteste Delfin Irlands: Fungie

Nach all der wilden Natur ist die Stadt Dingle der perfekte Ort, um wieder unter Menschen zu kommen. Die Stadt ist bunt, lebendig und unglaublich charmant. Die Häuserfassaden leuchten in allen Farben des Regenbogens, und aus den Pubs dringt fast immer Live-Musik.

Fungie: Man kann nicht über Dingle schreiben, ohne Fungie zu erwähnen. Der berühmte Delfin war Jahrzehnte lang das Maskottchen der Dingle Bay. Auch wenn er seit 2020 nicht mehr gesehen wurde, ist sein Geist (und seine Statue am Hafen) allgegenwärtig.

 Die Boote fahren immer noch raus und zeigen dir jetzt die atemberaubende Küste vom Wasser aus – auch ohne ihn ein Erlebnis.

Irischer Whyskey

Es gibt eine Distillery in Dingle

​In der Stadt findet ihr ein paar gute Restaurants und Cafes und es gibt eine Distillerie, die ihr euch anschauen könnt. Hier wird guter irischer Whiskey gemacht. Und der hat es in sich! Danach ist es möglicherweise nicht mehr ganz so schwer, auf der linken Straßenseite zu fahren.

Die Dingle Halbinsel ist konzentriertes Irland. Sie ist wilder, rauer und ursprünglicher als viele andere Ecken der Insel. Egal, ob du wegen der Geschichte, der Wanderwege oder einfach nur für ein perfektes Pint Guinness mit Aussicht kommst – Dingle wird dich verzaubern und nicht mehr loslassen. Sláinte.

Weitere Highlights und Ziele

die wohl berühmteste Möwe Irlands

Die wohl berühmteste Möwe Irlands.

Wenn ihr gut zu Fuss seid und jede Menge Zeit habt, dann empfiehlt sich der Dingle Way, der in Tralee startet und unter anderem durch Annascaul, dem Geburtsort von Tom Crean, einem legendären Antarktis-Forscher. Dementsprechend findet ihr dort auch einen Pub namens South Pole Inn.

Dort findet ihr auch den Annascaul Lake (oder Lough Annascaul) und den wunderschönen Wanderweg.

Wenn ihr Lust und Zeit habt, dann lohnt sich aber auch eine Wanderung auf den Mount Brancon, immerhin der zweithöchste Berg Irlands. (Der höchste Berg ist der Carrantuohil, im Killarney National Park) Schon im Mittelalter wanderten hier die Pilger lang und auch heute könnt ihr euch einen Pilger-Pass kaufen. Ihr könnt den Cosán na Naomh genannten Weg aber auch einfach so wandern.

Ich könnte noch viel mehr hier schreiben und ich selbst hab noch so viel nicht gesehen, obwohl ich bereits vier Mal dort war. Es ist wie immer mit Irland: Viel zu wenig Zeit für eine wundervolle Insel.

Macht euch unbedingt selbst ein Bild!