Superlative, wohin man schaut in den Smoky Mountains: Der Nationalpark in den Appalachen beheimatet den größten Urwald im Osten der USA und dieser zählt zu den ältesten Wäldern der Erde. Der in den Bundesstaaten Tennessee und North Carolina gelegene Park ist der meistbesuchte Nationalpark der Vereinigten Staaten. Trotzdem ist er relativ unbekannt – verglichen mit dem Grand Canyon, dem Yellowstone oder dem Yosemite-Nationalpark.

Drei Jahre lang lagen die Appalachen gewissermaßen vor meiner Haustüre und der Great Smoky Mountains Nationalpark nur zwei Stunden Autofahrt vom Wohnort meiner Familie entfernt. In dieser Zeit haben wir die Smoky Mountains bei jeder Gelegenheit bereist, kennengelernt und lieb gewonnen. Die 13 Impressionen, die ich hier für Sie ausgesucht habe, sind während eines Wochenendausflugs über die Osterfeiertage entstanden.

1. Tennessee: Ramsey Cascades Trail

Wälder, Wasserfälle und wilde Wasserläufe prägen das Bild der Great Smoky Mountains. Das Titelbild zeigt den Ramsey-Zufluss des Little Pigeon Rivers, dem der Ramsey Cascades Trail folgt. Und diese schmale, lange Brücke, die den Fluss in sechs Metern Höhe überspannt, muss bewältigt werden! Ein Abenteuer, aber nicht die schwierigste Passage im Verlauf des Trails.

Zum Warmlaufen bei Gatlinburg, Tennessee: der Noah Bud Ogle Nature Trail – Foto: Beate Ziehres

Zum Warmlaufen bei Gatlinburg, Tennessee: der Noah Bud Ogle Nature Trail – Foto: Beate Ziehres

2. Tennessee: Noah Ogle Place Nature Trail

Der erste Weg nach der Ankunft in Gatlinburg führt uns traditionell auf den Noah „Bud“ Ogle Place Nature Trail, der zehn Minuten außerhalb der Stadt liegt. Der Weg ist über die Cherokee Orchard Road erreichbar, der Parkplatz befindet sich rechts kurz vor dem Einstieg in den Rainbow Falls Trail.

Ein Stück des Weges verläuft durch einen Wald von hohen Rhododendren. Besonders am späten Nachmittag zaubert das durch die Blätter fallende Sonnenlicht eine mystische Stimmung im Wald. Leider habe ich die Bäume nie blühen gesehen.

  • Strecke: 1,2 Kilometer
  • Schwierigkeitsgrad: einfach
  • Dauer: 30 Minuten
Steg über den östlichen der beiden Twin Creeks bei Gatlinburg, Tennessee – Foto: Beate Ziehres

Steg über den östlichen der beiden Twin Creeks bei Gatlinburg, Tennessee – Foto: Beate Ziehres

3. Tennessee: rustikale „Brücken“ in den Appalachen

Diese minimalistischen Brücken kommen in den Smokys in großer Zahl vor. Es handelt sich hierbei um einen leicht bearbeiteten Baumstamm mit einem notdürftigen Geländer. Auf dem Noah „Bud“ Ogle Place Nature Trail überquert eine solcher Steg den östlichen der beiden Twin Creeks, die das historische Farmgelände durchfließen.

Tennessee: Der westliche Twin Creek bei Gatlinburg als Mühlenbach – Foto: Beate Ziehres

Tennessee: Der westliche Twin Creek bei Gatlinburg als Mühlenbach – Foto: Beate Ziehres

4. Tennessee: am historischen Mühlenbach

Die ersten Siedler in den Smokys, die auch das Land der Noah „Bud“ Ogle Farm mit Axt und Pflug urbar machten, nannten den Ort „Junglebrook“ – Dschungelbach – nach dem dichten Bewuchs der Bachränder mit Rhododendren und Magnolien. Der westliche Lauf der Twin Creeks diente dem Namensgeber der Farm als Mühlenbach. Die hölzerne Rinne, über die das Wasser auf das Mühlrad geleitet wurde, ist heute noch funktionsfähig.

Tennessee: Noah ‚Bud‘ Ogles Wassermühle in den Smoky Mountains – Foto: Beate Ziehres

5. Tennessee: Noah Ogles Wassermühle

Die Mühle, wichtiger Bestandteil einer Farm im ausgehenden 19. Jahrhundert, liegt auf der Hälfte des Nature Trails. Im Frühjahr sind die Wassermassen, die der Bach zu Tal befördert, beträchtlich. Abgesehen vom Rauschen des Wassers ist es jedoch still geworden auf der Farm. Die Natur hat die mühsam gewonnenen Felder, auf denen der Siedler Mais kultivierte, wieder zurückgeholt.

Tennessee: Das Wohnhaus des Farmers Noah "Bud" Ogle inmitten der Smoky Mountains – Foto: Beate Ziehres

Tennessee: Das Wohnhaus des Farmers Noah „Bud“ Ogle inmitten der Smoky Mountains – Foto: Beate Ziehres

6. Tennessee: Noah Ogles Farmhaus in den Smoky Mountains

Zwischen 1883 und 1925 bewirtschaftete Noah „Bud“ Ogle die Farm, die wir auf dem Nature Trail erkunden können. In dieser Zeit entstand auch das Wohnhaus, das noch weitgehend intakt ist. Die ersten Siedler schlugen damals Jahrhunderte alte Wälder, um Felder anzulegen und Bauholz zu gewinnen. So haben die Menschen die Smokys dauerhaft verändert. Letztlich führte die drohende Zerstörung der Wälder durch die florierende Holzindustrie 1934 zur Einrichtung des Nationalparks.

Tennessee, Smoky Mountains: Auf dem Ramsey Cascades Trail – Foto: Beate Ziehres

Tennessee, Smoky Mountains: Auf dem Ramsey Cascades Trail – Foto: Beate Ziehres

7. Tennessee: Ramsey Cascades Trail

Tag 2 in den Smoky Mountains. Wir haben uns den Ramsey Cascades Trail vorgenommen. Im unteren Bereich der Tour begleiten Rhododendren unseren Weg bergauf. Doch das soll sich ändern, sobald der alte, ursprüngliche Wald erreicht wird.

  • Startpunkt des Ramsey Cascades Trail: rund 10 Meilen östlich von Gatlinburg in Greenbrier. In Gatlinburg nehmen Sie den East Parkway, Route 321, stadtauswärts. Nach 6 Meilen biegen Sie am Wegweiser „Great Smoky Mountain National Park entrance“ nach rechts in die Greenbrier Road ein. Die Schotterstraße gabelt sich nach 3,1 Meilen. Hier links abbiegen und die Brücke überqueren. Nach 1,5 Meilen Fahrt erreichen Sie den Parkplatz am Ausgangspunkt des Ramsey Cascades Trail.
  • Länge hin und zurück: 8 Meilen (knapp 13 Kilometer)
  • Anstieg: 670 Höhenmeter
  • Höchste Stelle: 1.300 Meter
  • Schwierigkeitsgrad: schwierig
  • Durchschnittliche Laufzeit: 5:30 Stunden
Tennessee: Alte Bäume, Moos und kleine Pools prägen das Bild in den Smoky Mountains – Foto: Beate Ziehres

Tennessee: Alte Bäume, Moos und kleine Pools prägen das Bild in den Smoky Mountains – Foto: Beate Ziehres

8. Tennessee: Alte Wälder in den Smoky Mountains

Wanderer erreichen auf diesem Pfad nicht nur den Ramsey-Wasserfall, sondern dringen auch in den größten Bestand alten Waldes in den Smokys vor. Am Rande des Weges wachsen die größte Schwarzkirsche, die zweitgrößte Weißeiche und der drittgrößte Rotahorn des Nationalparks. Das bergabrauschende Wasser bildet immer wieder kleine Pools zwischen den Steinen.

Tennessee, Smoky Mountains: Endlich am Wasserfall – die Ramsey Cascades – Foto: Beate Ziehres

Tennessee, Smoky Mountains: Endlich am Wasserfall – die Ramsey Cascades – Foto: Beate Ziehres

9. Tennessee: die Ramsey Cascades

Lohn der Mühe: der höchste und einer der spektakulärsten Wasserfälle des Nationalparks. Das Wasser stürzt über 30 Meter in einen Pool, in dem Salamander heimisch sind. Kurz vor dem Erreichen des Wasserfalls sind riesige Steine zu überklettern und tiefe Spalten zwischen den Felsen zu überspringen – kein einfaches Unterfangen! Aber so kurz vor dem Ziel aufgeben kommt nicht in Frage. Diese Passage macht die Schwierigkeit des Trails mit aus.

Tennessee, Smoky Mountains: Der Weg zu den Ramsey Cascades war anstrengender als erwartet – Foto: Lena Ziehres

Tennessee, Smoky Mountains: Der Weg zu den Ramsey Cascades war anstrengender als erwartet – Foto: Lena Ziehres

10. Tennessee: Die Smokys haben mich geschafft!

Müde, aber glücklich. Die Länge der Wanderung – beinahe 6,5 Kilometer bis zum Wasserfall – und der Anstieg sind nicht zu unterschätzen. Auch die Temperaturen können Anfang April durchaus über die 20 Grad klettern. Entgegenkommende Wanderer, die wir schon völlig entkräftet gefragt hatten, ob es noch weit sei, gaben eine ernüchternde Auskunft: „Ja, sehr weit.“

  • Mein Tipp: Unbedingt viel Wasser und ein paar Brotzeiten mitnehmen.
North Carolina: Oconaluftee Mountain Farm Museum am Rand der Smoky Mountains bei Cherokee – Foto: Beate Ziehres

North Carolina: Oconaluftee Mountain Farm Museum am Rand der Smoky Mountains bei Cherokee – Foto: Beate Ziehres

11. North Carolina: Oconaluftee Mountain Farm Museum

Der 3. Tag. Schon ist es wieder Zeit, den Nationalpark zu verlassen. Für den Rückweg nehme ich gerne die Landstraße und halte am Oconaluftee Mountain Farm Museum bei der Stadt Cherokee an. Historische Blockhäuser aus den ganzen Smoky Mountains haben hier einen neuen Standort gefunden. Ein Wohnhaus, ein Räucherhaus, diverse andere Gebäude sowie ein Bauerngarten verdeutlichen, wie die Menschen vor etwa 100 Jahren in den Appalachen gelebt, gearbeitet und Landwirtschaft betrieben haben.

Zu Oconaluftee zählt auch ein Visitor Center, in dem Ranger die Fragen der Besucher beantworten. Eine große Auswahl an Landkarten, Wanderführern und Büchern hält der Buchladen im Visitor Center bereit – von den üblichen Souvenirs ganz abgesehen.

  • Anschrift: Great Smoky Mountains National Park, 1194 Newfound Gap Rd, Cherokee, NC 28719, USA
North Carolina, am Rande der Smoky Mountains: Die Schmiede des Mountain Farm Museums – Foto: Beate Ziehres

North Carolina, am Rande der Smoky Mountains: Die Schmiede des Mountain Farm Museums – Foto: Beate Ziehres

12. North Carolina: Alte Schmiede am Rand der Smoky Mountains

Hammer, Amboss, Blasebalg – alles ist noch da im historischen Blacksmith Shop, der Werkstatt des Schmieds, im Oconaluftee Mountain Farm Museum. Es riecht sogar noch nach Kohlefeuer und Metall.

North Carolina: Scheune und Stall am Fluss nahe Cherokee – Foto: Beate Ziehres

North Carolina: Scheune und Stall am Fluss nahe Cherokee – Foto: Beate Ziehres

13. North Carolina: Scheune und Stall am Fluss

In unmittelbarer Nähe des Oconaluftee River liegen die große Scheune mit historischem Arbeitsgerät und ein Stallgebäude. Von hier aus führt auch ein etwa 2,5 Kilometer langer Spazierweg entlang des Flusses nach Cherokee, North Carolina.

Das Oconaluftee Mountain Farm Museum markiert für mich den Abschluss eines entspannten Wochenendes im Great Smoky Mountains Nationalpark. Doch auch die Stadt Cherokee – die nicht umsonst den Namen des größten Indianervolkes Nordamerikas trägt – ist einen Besuch wert. Ihr widmet sich ein eigener Beitrag.

Hilfreiche Links: Great Smoky Mountains Nationalpark

Lesetipp: Über eine Probewanderung auf dem Appalachian Trail berichtet Janett Schindler auf ihrem Blog Teilzeitreisender.de.