Ganz schön heiß: eine kulinarische Entdeckungsreise durch New Mexico

von | Apr 25, 2017 | Allgemein, Kultur & Kulinarik

Chili-Liebhaber kommen in New Mexico auf ihre Kosten. Genau wie die Freunde einer guten Margerita. Und ich füge einen kulinarischen Höhepunkt hinzu, den ich im Südwesten der USA entdeckt habe: die Tortilla-Suppe.

Dass die kleinen roten und grünen Scharfmacher eine Spezialität in New Mexico sind, ist mir gleich nach meiner Ankunft in Santa Fe, der Hauptstadt des Staates, aufgefallen. Überall hängen getrocknete rote Früchte, schön zusammengeflochten zu kleinen Kunstwerken. Die offizielle Frage in New Mexico lautet: rot oder grün? Welches die beste Antwort darauf ist verrate ich am Ende dieses Beitrags.

In der  Santa Fe School of Cooking habe ich dann spätestens erfahren, dass Chili hier auch gerne in den Kochtopf wandert. Die grüne Variante vorzugsweise geröstet und geschält in zahlreichen Saucen, aber auch in Enchiladas, Burritos, Burgers oder im Reis. Darüber hinaus gibt es zahlreiche andere Variationen – grüne Chilischoten gehen eigentlich immer und verleihen den Gerichten des Südwestens den charakteristischen Kick.

Rote Chilis werden hingegen meist getrocknet und zu Pulver vermahlen. Das Pulver ist Grundlage der roten Chili-Sauce. Dazu wird Chili mit Wasser in einem Topf gekocht, mit verschiedenen Kräutern und Gewürzen wie Zwiebeln und Knoblauch püriert – fertig ist New Mexican Style Rote-Chili-Sauce.

Michelle Chavez – zu sehen auf dem Titelbild des Beitrags – macht uns in der Kochschule mit den Feinheiten der Küche New Mexicos bekannt. Sie weiß auch, was hilft, wenn’s brennt – im Mund natürlich, nicht in der Küche. Nicht Wasser, nicht Milch, nein. Nur Tequila, pur „genossen“, hilft ihr zufolge gegen Chili-Schärfe.

Die Köchin muss es wissen. Sie bringt 26 Jahre Erfahrung in der Küche mit und hat unter anderem Bill Clinton und George W. Bush bekocht, bevor sie sich in Santa Fe niedergelassen hat.

Besonderes Mitbringsel: Chili aus Chimayo

Ich war übrigens dermaßen inspiriert von den Aromen New Mexicos, dass ich mir rotes und grünes Chilipulver mitgebracht habe von meiner Reise. Genauer gesagt von einem Ausflug nach Chimayo, Das Dorf in den Bergen im Norden New Mexicos ist Heimat einer eigenen Chili-Sorte mit der lateinischen Bezeichnung „Capsicum annuum Chimayo“. Erst im Jahr 2003 wurde das 300 Jahre alte Saatgut wiederentdeckt und der Anbau der traditionellen Sorte in Chimayo wiederbelebt. So kommt es, dass es im altertümlich anmutenden Laden des Ortes, dem El Potrero Trading Post, die größte Auswahl an Chili Pulver gibt, die ich jemals gesehen habe.

Chili ist auch Bestandteil der Tortilla-Suppe, die wir gleich am Abend nach unserer Ankunft in Santa Fe genossen haben. Ich hatte noch nie zuvor Tortilla Suppe gegessen. Aber das Gericht, das wohl in jedem Restaurant Santa Fes auf der Karte steht, hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Bezeichnend – und typisch für Amerika – ist, dass jedes Lokal von sich behauptet, die beste Tortilla-Suppe der Welt anzubieten. Eine Behauptung, die mit Vorsicht zu genießen ist. Aber vielleicht kann man sagen, dass in New Mexico die beste Tortilla-Suppe der Welt gekocht wird ;-).

Mein ganz privater Favorit basiert auf einem Rezept aus Taos. Wenn Kinder zu Besuch kommen, kochen wir die Suppe im Garten über dem Lagerfeuer und verkaufen sie den kleinen Suppenkaspern als Hexensuppe. Seit wir diesen Trick ausprobiert haben, ist Hexensuppe der Renner schlechthin.

Tortilla-Suppe aus dem Wilden Westen

Das Rezept reicht für 6 Personen

Für die Suppe:
1 kleine Dose Kichererbsen, abgegossen und abgespült
1 kleine Dose schwarze Bohnen, abgegossen und abgespült
2 Karotten, in Scheiben geschnitten
2 gekochte Hähnchenbrustfilets, klein geschnitten
8 Tassen Hühnerbrühe
1 kleine Dose geschälte Tomaten
1,5 TL Oregano, getrocknet
1 rote Chilischote, in sehr feine Streifen geschnitten
1,5 TL Cumin
2 Tassen gekochten Langkornreis
Salz

Toppings:
2 Avocados, in Spalten geschnitten
200 gr. geriebener Cheddarkäse
8 Mais-Tortilla-Fladen, in Streifen geschnitten

Die Tortilla-Streifen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und etwa 10 Minuten bei 180 Grad im Ofen backen, bis sie knusprig sind. In einem großen Topf Brühe, gekochte Hähnchenstücke, Bohnen, Gemüse und Gewürze zum Kochen bringen. Etwa 10 Minuten köcheln lassen, bis die Karotten weich sind. Mit Salz abschmecken. In jede Suppenschale 1 bis 2 Esslöffel gekochten Reis geben und die fertige Suppe darüber löffeln. Tortilla-Streifen, Avocados und Käse dazu reichen, sie werden auf die Suppe gegeben.

 

Das dritte kulinarische Highlight New Mexicos sind ohne Zweifel die Margeritas. Sie waren wie die Tortilla Suppe ständiger Begleiter unserer Abende im Südwesten. In der Disziplin des Margerita-Mixens stehen die Barkeeper in einem ständigen Wettbewerb. Wer 31 ganz spezielle Margeritas probieren möchte, ist auf dem Santa Fe Margarita Trail richtig. Teilnehmende Bars und weitere Informationen finden Sie auf dieser Webseite.

Eine Zutat haben wohl alle Margeritas in Santa Fe gemeinsam: Chili! Ich konnte jedenfalls nicht genug kriegen von den süffigen Cocktails. Und damit komme ich wieder zu der eingangs erwähnten Nationalfrage „rot oder grün?“. Die beste Antwort lautet „Christmas“. Will heißen, ein Gericht beinhaltet rote UND grüne Chilis.

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, ein paar Rezepte aus New Mexico auszuprobieren, finden Sie hier eine Auswahl.

Beate Ziehres

… reist und bloggt für ihr Leben gerne. Die Journalistin und Marketing- und PR-Managerin hat für Tageszeitungen und Magazine geschrieben, bevor sie die wunderbare Welt der Blogs und Online-Magazine für sich entdeckt hat. Auf Reiselust-Mag.de kann sie die beiden Dinge, die sie am liebsten tut, vereinen: Erst reisen und hinterher davon erzählen. 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Pin It on Pinterest